Wer Versicherungen vermitteln will, braucht seit 2007 einen Sachkundenachweis. Ausgenommen sind nur "Alte Hasen", also langjährige Finanzberater. In aller Regel muss also eine Sachkundeprüfung für die Zulassung nach Paragraf 34d Gewerbeordnung (GewO) abgelegt werden. Dasselbe gilt seit 2013 auch für Finanzanlagenvermittler nach Paragraf 34f GewO und seit März 2016 für Immobiliardarlehensvermittler nach Paragraf 34i GewO.

Die Prüfung kann bei jeder Industrie- und Handelskammer (IHK) abgelegt werden. Wie zu hören ist, fallen bei den Sachkundeprüfungen viele Teilnehmer durch. Das liegt auch daran, dass Berufseinsteiger sich nicht gut genug vorbereiten. Auch gestandenen Vermittlern, die eine zusätzliche Zulassung benötigen, weil sie zum Beispiel neben Finanzanlagen nun auch Baufinanzierungen beraten wollen, geht es oft so, weil sie nicht genau dann die Zeit zur Weiterbildung haben, wenn die Kurse laufen. Das Vermittlungsgeschäft geht eben vor.

Prüflinge wünschen sich flexible Vorbereitung und niedrigeren Preis
Diesem Bedürfnis hat sich der Markt der Weiterbildungsanbieter noch nicht hinreichend angepasst. Größter freier Weiterbildungsanbieter für Finanzvermittler ist wohl Going Public, gefolgt von Häusern wie Tutor oder Campus. Schwerpunkt bei Going Public sind berufsbegleitende Weiterbildungen und Trainings, häufig als Kombination aus Präsenzveranstaltungen und E-Learnings. Der Marktführer hat bisher weit über 18.000 IHK-Sachkundeprüfungen (Paragrafen 34d, 34f und 34i) vorbereitet.

Vielen Interessenten sind der Zeitfaktor und die Kosten bei der Vorbereitung auf die Sachkundeprüfung ein Dorn im Auge. Das weiß der langjährige Vertriebscoach und Führungskräftetrainer Michael Bickel aus Kreisen seiner Kursteilnehmer. "Offenbar gibt es großen Bedarf, sich mit Hilfe einer gut strukturierten Online-Plattform, die geschickt Fragen, Lösungen und weitergreifende Erläuterungen miteinander kombiniert, auf diverse Sachkundeprüfungen vorzubereiten – am liebsten im eigenen Lerntempo von Zuhause aus", sagt Bickel.

Präsenzseminare kosten Zeit. "Zum einen müssen sich die Teilnehmer je nach Anbieter bis zu zehn Tage aus ihrem operativen Geschäft lösen, was erhebliche Opportunitätskosten verursacht, zum anderen müssen sich die Teilnehmer auf feste Termine einstellen", weiß Bickel. Nicht selten kämen Reise- und Übernachtungskosten zu den ohnehin schon hohen Seminargebühren hinzu.

Sachkundegurus.de will Marktlücke entdeckt haben
Damit soll durch sein jüngstes Start-up Sachkundegurus.de Schluss sein. Die Lernplattform löse durch Technik und den Einsatz aller Medien (Video, Audio, Fragen und Antworten sowie Fortschrittsanalyse und Simulation) gleich beide Probleme: Die Teilnehmer lernen in ihrem eigenen Tempo, und das orts- und zeitunabhängig.

Gestartet sind die "Sachkundegurus" mit einem Online-Paket für die Sachkundeprüfung zum/zur "Immobiliardarlehensfachmann/-frau IHK" (Paragraf 34i). In Kürze folgt ein Paket für 34f-Vermittler, im Herbst sollen auch die Unterlagen für die Sachkundeprüfung nach Paragraf 34d fertig sein. "Wir vermitteln mit unseren Paketen Prüfungswissen, denn das Ziel der Teilnehmer ist in der Regel keine fundierte Fachausbildung, sondern das Bestehen der Prüfung vor der IHK – genau dabei helfen wir", so Bickel. Zur Vorbereitung werde zusätzlich jeweils kurz vor den IHK-Prüfungsterminen ein Tutorial angeboten, in dem interessierte Kursteilnehmer mittels Video-Call Fragen an den Fachverantwortlichen stellen können.

Praxisbetonte Prüfungsvorbereitung
Die Software sei so aufgebaut, dass zudem eine Prüfungssimulation in Echtzeit erfolgt – mit der Rückmeldung, ob die Prüfung bestanden worden wäre oder nicht und welche Fragen nicht korrekt beantwortet wurden. Diese Simulation funktioniert laut Bickel sogar mehrmals, da die Fragen – genau wie bei der IHK – nach Zufallsprinzip aus den Kapiteln gezogen werden. Schließlich folgten alle Fragen der genauen IHK-Logik. "Das ist meiner Beobachtung nach bei den Übungsfragen anderer Anbieter nicht der Fall", so der Gründer.

Inhaltlich folge die Web-Applikation zur 34i-Prüfung vier Schritten: Zunächst gelte es, sich eine Übersicht zu verschaffen (Vorbereitungsleitfaden lesen, Relevanz der Prüfungsschwerpunkte verstehen, persönlichen Lernaufwand einschätzen), dann im zweiten Schritt das Lernskript zu lesen (theoretischer Prüfungsstoff, Skript Finanzierung und Kreditprodukte, Skript Beratung und Vermittlung). In Schritt 3 werden dann die Prüfungsfragen bearbeitet (Fragevarianten verstehen, Übungsfragen durcharbeiten, Lösungen verstehen, üben und wiederholen, Prüfungssimulation bestehen). Im vierten Schritt geht es darum, praktische Übungsfälle zu lösen.

Das Kernstück seien die Übungsfragen: "Das System merkt sich, wie oft welche Frage richtig und falsch beantwortet wurde", erklärt der Sachkundeguru-Gründer. Das mache es möglich, sich zum Beispiel nur auf falsch beantwortete Fragen zu konzentrieren und so den Aufwand zu reduzieren, der nötig ist, um die Prüfung zu bestehen.

"Geld-zurück-Garantie"
Die Technik erlaube, mit niedrigen Kosten für die Prüflinge auszukommen, meint Bickel, der sein Angebot als "dreifach attraktiv" anpreist. Erstens erhalten Interessenten eine kostenlose Testversion, um sich selbst ein Bild verschaffen zu können. Zweitens liege der Preis für das Komplettpaket (399 Euro) weit unter dem Satz, den Teilnehmer für Vorbereitungsseminare mit Präsenzterminen bezahlen müssen. "Selbst reine Online-Angebote sind nach meinem Dafürhalten meist deutlich teurer", hat Bickel beobachtet. Für Kandidaten, die nicht an der praktischen Prüfung teilnehmen müssen, weil sie schon eine andere 34er-Zulassung besitzen, bietet er für 249 Euro Teilpakete für die Vorbereitung zur schriftlichen Prüfung an. Drittens wirbt Bickel mit einer Geld-zurück-Garantie, "sollte einer der Teilnehmer die Prüfung trotz Vorbereitung mittels eines unserer Pakete nicht bestehen".

Die Wettbewerber bieten in der Regel Präsenzseminare, Online-Seminare oder eine Kombination daraus an. In den meisten Fällen haben die Teilnehmer somit einen Trainer live oder zumindest virtuell vor Augen, was ohne Zweifel Vorteile hat. Allerdings schlägt sich dies auch in den Preisen nieder. So veranschlagt etwa Going Public aktuell für 18 halbtägige Online-Seminare zu vorgegebenen Zeiten 1.090 Euro. Hinzu kommen noch 200 Euro für den Vorbereitungstag auf die mündliche Abschlussprüfung in Würzburg sowie Kosten für Reise und gegebenenfalls Übernachtung. (dpo)