Die Finanzaufsicht Bafin hat offenbar keine Probleme, neue Mitarbeiter zu gewinnen – auch wenn die Behörde vor einiger Zeit bei privaten Aktiengeschäften von Angestellten die Zügel straff angezogen und der Personalrat der Behörde daher Befürchtungen hinsichtlich der Rekrutierung geäußert hat. Das berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf eine Antwort der Regierung auf eine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion. Anlass für die verschärften Regeln waren die Spekulationen einiger Bafin-Mitarbeiter mit der Aktie von Wirecard oder mit Derivaten auf das Wertpapier, bevor der Skandal um den Zahlungsdienstleister 2020 aufflog. 

Die Beliebtheit der Bafin als Arbeitgeberin scheint auch nicht darunter zu leiden, dass die nun geltenden Regeln für private Anlagegeschäfte von Angestellten im Vergleich zu den Vorschriften anderer europäischer Aufsichtsbehörden besonders restriktiv seien. Vor dem Wirecard-Skandal waren die Regeln für die Mitarbeiter dagegen eher lax. Immerhin haben Bafin-Bedienstete ihrem Arbeitgeber im ersten Halbjahr 2021 noch knapp 5.200 private Finanzgeschäfte gemeldet. 2020 waren es 18.000.

Hardliner Röseler
Weil die Aufsicht wegen ihrer Rolle bei den Vorgängen massiv in die Kritik geraten war, hatte die Regierung Konsequenzen gezogen und die Bafin reformiert. Teil des Umbaus sind die strengen Vorschriften zum Eigenhandel mit Aktien. "Ich bin bei dem Thema ein Hardliner und habe eine klare Botschaft: Für jemanden, der mit Aktien spekulieren will, ist die Bafin der falsche Arbeitgeber", zitiert das Handelsblatt Raimund Röseler, Exekutivdirektor für die Bankenaufsicht.

Natürlich bleibt den Angestellten nicht untersagt, privaten Vermögensaufbau zu betreiben. Das bleibe "explizit möglich", zitiert die Zeitung aus der Antwort der Regierung. "Bafin-Beschäftigte können beispielsweise in Fonds investieren, deren Hauptzweck nicht die Investition in finanzielle Kapitalgesellschaften ist", heißt es dort weiter. 

Fünf Kontrolleure
In der Zwischenzeit hat die Bafin auch das Personal aufgestockt, das die Einhaltung der Vorschriften überwacht. Bis Januar 2020 standen dafür nur 1,7 Vollzeitstellen zur Verfügung. Seit Juli 2020 wurde die Stellenzahl schrittweise angehoben, sodass nunmehr für die Überwachung von privaten Finanzgeschäften fünf Vollzeitstellen zur Verfügung stehen. (jb)