Der Süden Deutschlands ist um einen weiteren Finanzskandal reicher. Am 12. und 13. September bekam die Ludwigsburger Geno Wohnungsbaugenossenschaft in ihren Geschäftsräumen Besuch von rund 25 Ermittlern des Landeskriminalamtes Baden-Württemberg und sechs Staatsanwälten. Der Grund: Es besteht der Verdacht auf Untreue, auf Insolvenzverschleppung und auf gemeinschaftlichen gewerbsmäßigen Betrug. Die Vorwürfe richten sich gegen zwei ehemalige und einen amtierenden Vorstand der Genossenschaft, gegen die seit 2015 ermittelt wird. Das berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf die Ermittlungsbehörde.

Es handelt sich der Düsseldorfer Wirtschaftszeitung zufolge um eine "der spektakulärsten Pleiten der Region": Sie hinterlässt einen Schaden von über 30 Millionen Euro – und 10.000 mutmaßlich geprellte Anleger. Diese hatten den Traum, mithilfe der Genossenschaft und ohne großes Eigenkapital an eine Immobilie zu kommen. Dieser ist geplatzt: Den Durchsuchungen war vor einem Monat die Eröffnung des Insolvenzverfahrens gegen die Genossenschaft durch das Ludwigsburger Amtsgericht vorangegangen. 

Schneeballsystem "Optionskauf"
Das Angebot der 2002 gegründeten Genossenschaft klang verlockend: Über einen "Optionskauf" wurden Immobilieninteresenten mit einer kleinen Einlage Mitglied in der Genossenschaft. Nach wenigen Jahren sollten sie so die Berechtigung erhalten, eine Wohnung oder ein Haus der Genossenschaft zu beziehen, so die Zeitung. Dabei zahlten sie im Voraus bereits Miete an die Geno, die auf den späteren Kaufpreis für die bezogene Immobilie angerechnet werden sollte, so das Versprechen. Dieser Kaufpreis stand im vornherein fest – die Anleger hatten dann 35 Jahre Zeit, das Geld aufzubringen.

Hört sich gut an, ist aber wohl ein Schneeballsystem: Experten meinen dem Handelsblatt zufolge, dass das Geno-Geschäftsmodell nur solange funktionieren konnte, wie ständig genügend neue Mitglieder respektive frisches Geld eingeworben wurde. 10.000 Genossenschaftsmitglieder waren offenbar zu wenig. Möglicherweise blieben neue fern, da die Geno nur 100 Häuser gebaut hatte und damit weniger Personen überhaupt ein Dach über dem Kopf bekamen.

Wo das Geld der Mitglieder geblieben ist, das nicht für die 100 Immobilien verwendet wurde, ist nun die große Rätselfrage, die auch der Insolvenzverwalter zu beantworten sucht. (jb)