Top-Banker in der Schweiz, darunter UBS-CEO Sergio Ermotti, könnten künftig ihre Boni verlieren – der Gesetzgeber entscheidet darüber, ob gegen die lange als nahezu unantastbar geltende Finanzbranche des Landes vorgegangen werden soll.

Die kleine Kammer des Parlaments stimmt am Donnerstag (12.3.) über einen Gesetzentwurf ab, der vor fast fünf Jahren von einer sozialdemokratischen Abgeordneten eingebracht wurde. Ziel ist es, "bonusgetriebene Anreizsysteme" einzudämmen, die "eine aggressive Risikokultur fördern". Die Gesetzgebung würde sich auch gegen variable Vergütungen von Spitzenmanagern anderer systemrelevanter Schweizer Banken richten, darunter Raiffeisen Group, Zürcher Kantonalbank und Post Finance.

Abstimmung nach erhöhtem Bonuspool bei UBS
Die Abstimmung folgt auf die Mitteilung der UBS, ihren Bonuspool in einigen Geschäftsbereichen um bis zu 20 Prozent erhöht zu haben. Ermotti erhielt eine variable Vergütung von 12,1 Millionen Franken (rund 13,4 Mio. Euro). Damit stieg seine Gesamtvergütung für das Jahr 2025 auf 14,9 Millionen Franken.

Obwohl die Erfolgsaussichten des Vorstoßes nach Widerstand aus einem Parlamentsausschuss gesunken sind, würde ein Bonusverbot – falls es verabschiedet wird – den größten Umbruch bei der Vergütung von Führungskräften in der Schweiz seit der sogenannten "Abzockerinitiative" von 2013 darstellen.

Reformen seit der "Abzockerinitiative"
Die Reformen von damals führten jährliche Aktionärsabstimmungen über Vergütungspakete ein und untersagten sogenannte Golden Parachutes sowie Bonuszahlungen im Zusammenhang mit Fusionen. Trotz dieser Maßnahmen sind die Gehälter von Topmanagern seit der Covid-Pandemie gestiegen.

Gleichzeitig hat der spektakuläre Zusammenbruch der Credit Suisse – und ihre staatlich orchestrierte Rettung durch die UBS im Jahr 2023 – die Bemühungen verstärkt, Vergütungspakete einzudämmen, die übermäßige Risikobereitschaft belohnen.

Kritik aus der Regierung
Die Schweizer Finanzministerin Karin Keller-Sutter äußerte Bedenken über die Höhe der Vergütung für Führungskräfte wie Ermotti, der geholt wurde, um die Übernahme zu leiten. Zwar liege es an den Aktionären, solche Vergütungen zu genehmigen, doch sie überstiegen "die Vorstellungskraft jedes normalen Bürgers", sagte sie 2024.

Ein Vorstoß, eine feste Obergrenze für die Vergütung von Topmanagern einzuführen, scheiterte jedoch. Stattdessen entschieden sich die Gesetzgeber für eine allgemeinere Klausel: Boni sollen nicht gezahlt werden, wenn das Geschäft nicht gut läuft.

Debatte auch in anderen europäischen Ländern
Ähnliche Diskussionen gibt es auch in anderen Teilen Europas. In den Niederlanden wurde indes kürzlich eine langjährige Regel aufgeweicht, die variable Vergütungen von Bankern auf ein Fünftel ihres Fixgehalts begrenzt.

Niederländische Banken hatten die Begrenzung lange kritisiert und argumentiert, sie erschwere die Rekrutierung von Talenten. Zuvor war auch im Vereinigten Königreich eine entsprechende Obergrenze abgeschafft worden.

Finanzregulierung wird umfassend reformiert
Die Schweiz arbeitet derzeit an einer weitreichenden Reform ihrer Finanzregulierung. Ziel ist es, nach Angaben der Regierung die Ursachen für den Zusammenbruch der Credit Suisse zu adressieren.

Der Plan konzentriert sich jedoch nicht auf Vergütungssysteme, sondern auf strengere Kapitalanforderungen für die UBS, die größte Bank des Landes, sowie auf erweiterte Befugnisse für die Finanzmarktaufsicht Finma. (mb/Bloomberg)