Können die rund 1.400 Anleger der Frankfurter Skandal-Immobiliengruppe S&K, die vom Insolvenzverwalter zweier S&K-Fonds noch auf Rückzahlung erhaltener Ausschüttungen aus den geschlossenen Beteiligungen verklagt werden, Hoffnung schöpfen? Das Amtsgericht Northeim jedenfalls hat in einem Verfahren dem Anleger Recht gegeben, wie das Manager Magazin auf seiner Online-Seite unter Berufung auf das Urteil meldet. Anfang April hatte das Landgericht Frankfurt bereits eine Klage des Insolvenzverwalters Achim Ahrendt von der Kanzlei Hermann Wienberg Wilhelm in Hamburg abgewiesen. Andere Verfahren gewann er aber offenbar.

Ende vergangenen Jahres war bekannt geworden, dass Ahrendt erhaltene Zahlungen der beiden Fonds – dem S&K Real Estate Value Added und dem Deutsche S&K Sachwerte Nr. 2 – wie etwa Ausschüttungen, Gewinne oder Kapitalrückzahlungen zurückverlangt hatte. Sein Argument: Die S&K-Gründer Stephan Schäfer und Jonas Köller hätten ein Schneeballsystem betrieben. Die Immobilienfirmen der S&K-Gruppe seien deshalb gar nicht realwirtschaftlich tätig gewesen. Letztgenannter hat übrigens vergangene Woche Berufung gegen seine Verurteilung eingelegt.

Im konkreten Streitfall hatte der Anleger 10.000 Euro in den Fonds Deutsche S&K Sachwerte Nr. 2 investiert. Bevor die Führungsriege von S&K Anfang 2013 nach bundesweiten Ermittlungen festgenommen wurde, hatte der Anleger 800 Euro an Ausschüttungen erhalten. Das Gericht in Northeim entschied nun laut Manager Magazin, dass der Insolvenzverwalter das Geld nicht zurückbekommt: Er habe keinen Anspruch. Auch die Kosten des Rechtstreits müsse Ahrendt tragen, so der richterliche Entscheid.

Insolvenzverwalter sieht sich im Recht
Anwalt Thomas Diler von der Kanzlei Sommerberg in Bremen, der den Investor im vorliegenden Fall vertrat und der eigenen Angaben zufolge noch weitere S&K-Opfer unter seinen Klienten hat, hofft, dass das Urteil Signalwirkung für die rund 450 weiteren anhängigen Gerichtsverfahren hat. Für den S&K-Insolvenzverwalter sei die Sache kein Selbstläufer, so Diler gegenüber dem Manager Magazin.

Ahrendt sieht die Sache naturgemäß anders. Aus seiner Sicht handelt es sich bei der Entscheidung aus Northeim um einen "Ausreißer", so das Magazin. Es sei die bislang einzige richterliche Entscheidung in dieser Sache, in der dem Anleger Recht gegeben wurde, so Ahrendt. Allerdings gebe es bislang auch erst drei Gerichtsurteile in der Causa. Zwei davon seien zu seinen Gunsten ausgefallen.

Ausstehender Streitwert: 4,7 Millionen Euro
Unter den noch anhängigen Verfahren befinden sich fünf Fälle von Musterklagen, denen sich insgesamt 634 Anleger angeschlossen haben. In den Klagen gehe es noch um insgesamt etwa 4,7 Millionen Euro, teilt Ahrendt dem Magazin mit. 4,8 Millionen Euro konnte der Insolvenzverwalter dagegen bereits "für die Gläubigergemeinschaft realisieren".

Mehr als 300 Klagen seien durch Vergleiche beendet worden. Ursprünglich habe der Insolvenzverwalter laut dem Manager Magazin von etwa 3.700 Investoren, die zusammen rund 62 Millionen Euro in den Fonds investiert hatten, rund 15 Millionen Euro an Ausschüttungen zurückgefordert. (jb)