Die deutsche Versicherungswirtschaft hat wie jede Branche ein paar schwarze Schafe in ihren Reihen. 2016 waren es genau 342, die sich diverse "Unregelmäßigkeiten" haben zuschulden kommen lassen. Diese Zahl haben die Versicherer zumindest offiziell der Finanzaufsicht Bafin gemeldet. Den so durch Veruntreuungen entstandenen Schaden beziffert die Aufsicht in ihrer 2016er Statistik für Erstversicherer auf sieben Millionen Euro. Darüber, wie viele Schäden unentdeckt geblieben sind, kann man nur spekulieren. 

Den mit Abstand größten finanziellen Schaden haben demnach gebunden Vermittler verursacht, gefolgt von unabhängigen Maklern. Die beliebtesten Tricks dafür waren, über alle Beteiligten hinweg, fingierte Verträge und Mehrfacheindeckungen. Letzterer Fachjargon umfasst Fälle, in denen ein Vermittler für einen Kunden bei verschiedenen Gesellschaften für ein Risiko jeweils Policen abschließt, um für diese Provisionen zu kassieren.

Im Detail haben 199 Ausschließlichkeitsvertreter Geld in Höhe von knapp 4,5 Millionen Euro oder – naiv gerechnet – von 22.610 Euro pro Kopf veruntreut. Dagegen haben 47 freie Makler Kunden und Versicherer um knapp 1,7 Millionen Euro gebracht, was einem Schadensfall pro Kopf in dieser Gruppe von immerhin 36.170 Euro entspricht. Die übrigen von der Bafin aufgelisteten Gruppen waren indes nur für "Peanuts" verantwortlich: 19 Innendienstmitarbeiter veruntreuten 348.000 Euro, 19 Mehrfachvertreter 334.000 Euro, 39 angestellte Außendienstler 119.000 Euro und 19 Vermittler anderer Kategorien 156.000 Euro. 

2,9 Millionen Euro mit fingierten Verträgen ergaunert
Dabei haben 66 Personen Verträge fingiert: Dadurch entstand ein Schaden in Höhe von knapp 2,9 Millionen Euro. Durch Mehrfacheindeckungen haben 22 Täter über 1,6 Millionen Euro ergaunert. Erst danach kommen Schadensmanipulationen, die Kunden und Gesellschaften 708.000 Euro gekostet haben. Interessant ist, dass in irgendeiner Form manipulierte Provisionsabgaben nur einen Wert von genau 84.602 Euro hatten. Die Bafin-Statistik nennt auch nur drei Personen, die bei diesem Delikt ertappt wurden.

Aus den Bafin-Daten lässt sich ferner entnehmen, dass im Lebensbereich 3,6 Millionen Euro veruntreut wurden, im Schaden- und Unfallbereich waren es 3,1 Millionen Euro – berechnet auf Basis von Schäden von mehr als 5.000 Euro. In der Privaten Krankenversicherung betrug die Summe der Schäden ab 5.000 Euro aufwärts 320.000 Euro. (jb)