Steuerberater beklagen, dass Finanzämter immer länger für die Bearbeitung der Steuererklärungen benötigen. Im mit Abstand bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen (NRW) etwa müsse man mittlerweile 13 Tage länger auf den Bescheid warten als früher. Das berichtete der Präsident ihres Verbands, Harald Elster, der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ)  am Rande eines Steuerberaterkongresses. Das entspreche einem Anstieg um mehr als ein Viertel. Nach seinen Angaben müssten Bürger wie Unternehmer in NRW 63 bis 65 Tage einplanen – statt wie früher 50 Tage. Dies gelte für die Einkommen- wie für die Körperschaftsteuer.

Noch schlimmer sei die Lage bei der Erbschaftsteuer. Die Programme für die Bearbeitung liefen immer noch nicht ruckelfrei, jede Erklärung müsse einzeln in die Hand genommen und geprüft werden – ein Riesenproblem angesichts des Nachwuchsmangels in den Finanzämtern. "Bei der Erbschaftsteuer droht in vielen Bundesländern Verjährung, weil die Bearbeitung definitiv überhaupt nicht mehr hinterherkommt", warnt Elster in der FAZ. Allein in NRW gehe es in Summe um vier Milliarden Euro. 

Steuerberater skeptisch bezüglich neuer Grundsteuer
Derweil warb Bundesfinanzminister Olaf Scholz auf dem Kongress für die neue Grundsteuer. Der SPD-Politiker betonte, dass man sie von altem Ballast befreit habe. "Wir haben ein digitalisierbares Grundsteuerrecht auf den Weg gebracht", sagte er laut der FAZ.  Die Berater sind aber skeptisch, ob die Umstellung wirklich so reibungslos gelingen wird, wie der Politiker verspricht. "Jeder sagt, es sind doch noch fünf Jahre, aber für alle 35 Millionen Grundstücke muss eine Steuererklärung abgegeben werden", betont Elster.

Zudem werde dafür das ein oder andere Gutachten erforderlich sein. "Das muss alles bearbeitet werden. Wer das in der Verwaltung machen soll, steht in den Sternen." Der Minister spreche zwar von einer digitalen Form, aber er persönlich wolle erst einmal sehen, wann die zur Verfügung stehe. (jb)