Was ist nachhaltig, was nicht? Mit ihrer "Taxonomie" versucht die Europäische Union, eine Antwort auf diese schwierige Frage zu geben. Das ab Ende 2021 stufenweise verbindliche Klassifikationssystem gibt den Rahmen zur Identifizierung ökologisch nachhaltiger Investments vor. Ziel ist es, Kapitalströme in umweltfreundliche und soziale Bahnen zu lenken.

"Anleitung auf dem Weg in eine grüne Zukunft"
Für Banken hat die Taxonomie direkte Auswirkungen auf die Vermögensverwaltung und die Refinanzierung über Green Bonds. "Sie wird somit ein zentrales Element der Steuerung in den Unternehmen und gibt sozusagen eine Anleitung auf dem Weg in eine grüne Zukunft", sagt Stefan Hirschmann, Mitglied der Geschäftsleitung der VÖB-Service, einer Tochtergesellschaft des Bundesverbands Öffentlicher Banken. "Eine intensive Auseinandersetzung mit dieser Regularie sowie eine zeitnahe Umsetzung der Anforderungen sind deshalb unumgänglich."

Offensichtlich sind viele Banken auf einem guten Weg: Rund sechs von zehn Instituten beschäftigen sich bereits intensiv mit der neuen EU-Taxonomie oder berücksichtigen das Thema in ihrer Strategie, zeigt eine Studie, die die auf Finanzdienstleister spezialisierte Unternehmensberatung Cofinpro und VÖB-Service nun vorgelegt haben. Die Umfrage zeigt aber auch: Der enge Zeitplan stellt die Institute vor enorme Herausforderungen, handelt es sich doch um ein sehr umfangreiches Regelwerk.


In der Chartgalerie oben hat FONDS professionell ONLINE die wichtigsten Ergebnisse der Studie "EU-Taxonomie: Regeln für die grüne Zukunft" grafisch aufbereitet – einfach weiterklicken!


Beim Aufwand für die Umsetzung der Taxonomie-Verordnung lasse sich nicht in Manntagen rechnen, da müsse man schon Mannjahre veranschlagen, meinen die Autoren. Doch viele Banken erkennen in dem neuen Regelwerk durchaus Chancen, etwa mit Blick auf potenzielles Neugeschäft.

Ein weiterer Vorteil: "Mit der Taxonomie hat der Blindflug in der Klassifizierung nachhaltiger Investments endlich ein Ende", sagt Cofinpro-Vorstand Gerald Prior. Nach Ansicht von 85 Prozent der Befragten setzt die EU mit der Verordnung Standards für grüne Finanzprodukte. Für die Studie wurden im November vergangenen Jahres 158 Experten von Finanzdienstleistern befragt, darunter vor allem Banken, aber auch einige Versicherer und Fondsanbieter. (bm)