Nun also doch: Check24 nimmt sein Girokonto-Vergleichsportal vom Netz. Als Grund für das "Aus" nur rund fünf Monate nach dem Start gibt das Münchener Online-Unternehmen eine "unklare Rechtslage" an. Die Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) hatte im November 2020 im Nachgang zu einer Abmahnung Klage gegen den Portalbetreiber eingereicht, weil die Kontenvergleiche angeblich nicht den gesetzlichen Anforderungen entsprächen. 

Dabei hatte alles so vielversprechend begonnen: Mit dem Angebot von Check24 war nach einer gefühlten Ewigkeit eine bereits 2018 in Kraft getretene EU-Richtlinie umgesetzt worden, die einen zertifizierten Online-Vergleich der jeweils geltenden Girokonto-Konditionen in allen Mitgliedsstaaten der Gemeinschaft fordert. Das Bundesfinanzministerium hatte die Gesellschaft mit der Umsetzung der Vergleichsseite beauftragt, der TÜV Saarland diese geprüft und offiziell zertifiziert. Check 24 durfte daher das Siegel "GVW – Geprüfte Vergleichswebsite Zahlungskonten" führen.

"Mangelhaft und unzureichend"
"Die Webseite war zwar vom TÜV Saarland zertifiziert, aber dennoch mangelhaft und unzureichend. Sie erfüllte schlicht nicht die europarechtlichen Anforderungen", lässt sich Klaus Müller, Vorstand des VZBV, in einer Mitteilung zitieren. Er kritisiert, dass von insgesamt 1.717 Kreditinstituten in Deutschland nur 567 aufgelistet gewesen seien. In der Regel würde pro Anbieter auch nur ein Kontomodell vorgestellt, nicht aber das vollständige Sortiment des Instituts. Die Suchfilter würden ebenfalls nicht korrekt funktionieren.

Ein weiterer Kritikpunkt war, dass sich das nun abgeschaltete Portal an eine von Check24 simultan, aber aus rein kommerziellen Interessen betriebene Übersichts-Webseite für Girokonten anlehnt. Daher bestehe große Verwechslungsgefahr. Auch seitens mehrerer Banken gab es Kritik an dem Angebot, weil das Münchner Unternehmen seit Oktober über eine Tochter selber als Bank auftritt und Girokonten anbietet, was mit den Ansprüchen eines zertifizierten Vergleichsportals nicht vereinbar sei.

Schädigung der Verbraucher
"Die jetzt angestrebte Klage der Verbraucherschützer schädigt Verbraucher gleich mehrfach", entgegnet Check24 in seiner Mitteilung. "Zum einen steht der Vergleich nicht mehr zur Verfügung. Das hat zur Folge, dass Verbraucher einen nicht leistbaren zeitlichen Aufwand betreiben müssen, um sich einen transparenten Überblick über den Markt zu verschaffen. Des Weiteren führen derartige Querelen zu einer zusätzlichen Belastung der Steuerzahler, was gerade in der jetzigen Zeit nicht nachvollziehbar ist."

Der VZBV sieht das anders: "Das ist ein Erfolg für die Verbraucherinnen und Verbraucher", so Müller. "Das Angebot von Check24 war nicht geeignet, einen Überblick über geeignete Kontoangebote am Markt zu finden." Der Verband fordert nun eine zügige Neuvergabe an einen unabhängigen Anbieter.

Bankenverband: Rechtsunsicherheiten müssen weg!
Die privaten Banken wiederum mahnen, dass nach der Abschaltung der Internetseite die Rechtsunsicherheiten schnellstmöglich geklärt und beseitigt werden müssten. "Eine Vergleichswebseite soll es Kunden ermöglichen, die verschiedenen Angebote von Finanzinstituten schnell und unkompliziert zu vergleichen", sagt Andras Krautscheid, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes. Dabei sei es selbstverständlich, dass Vergleichswebseiten über jegliche Zweifel eines Eigeninteresses erhaben sein müssten. (jb)