Die Allianz hat vor dem Landgericht München I eine Niederlage erlitten. Der größte deutsche Versicherer muss Aussagen in einer Werbebroschüre zur Wertentwicklung seiner Indexpolice "Index Select" zurücknehmen, da sie irreführend sind. Das entschied das Gericht in seinem allerdings noch nicht rechtskräftigen Urteil vom 23. März 2018 (Az. 37 O 12326/17), das die Verbraucherzentrale Hamburg erstritten hat. Der Versicherer plant nach Medienberichten nun, das Urteil zur prüfen und gegebenenfalls in Berufung zu gehen.

Die Münchener Richter kamen laut den Verbraucherschützern zu der Überzeugung, dass "die an zahlreichen Stellen des Internetauftritts hervorgehobene Aussage 'Beteiligung an der Wertentwicklung des Eurostoxx 50' sowie die Verwendung des Begriffs 'Indexpartizipation' bei einem Großteil der Verbraucher den Eindruck erweckt, es erfolge (...) eine Anlage in Finanzprodukte, mit der die im Aktienindex gelisteten Werte abgebildet werden." Das Gericht sah in den Formulierungen zur Index Select Rente irreführende Angaben, weil "eine Korrelation des Renditeversprechens (...) mit der Wertentwicklung des Aktienindexes nur sehr eingeschränkt besteht".
 
Indexbeteiligung hängt an erzielten Überschüssen
Die Verbraucherzentrale hatte das Verfahren im Juni 2017 initiiert und eine Unterlassungsklage eingereicht. Die Experten in der Hansestadt kritisieren das Produkt als "Mogelpackung": Im Vergleich zu einer herkömmlichen Rentenversicherung werden bei der Index Select die in der Versicherungsprämie enthaltenen Sparanteile nicht fest verzinst angelegt. Vielmehr orientiert sich die Wertentwicklung des Produkts an der Performance des Aktienindex Eurostoxx 50 – allerdings nicht direkt und in Gänze. 

Die Indexbeteiligung erfolgt ausschließlich über die von der Allianz erwirtschaftete und jährlich zu ermittelnde Überschussbeteiligung. Damit ist die Rendite des Finanzproduktes nicht primär von der tatsächlichen Entwicklung des Eurostoxx 50 abhängig, sondern von den Überschusserträgen des Versicherers. "Da die Überschüsse in der aktuellen Niedrigzinsphase zunehmend niedriger ausfallen, ist dies eine wesentliche Information, die die Allianz in ihrer Werbung verschweigt", sagt Kerstin Becker-Eiselen, Finanzexpertin der Verbraucherzentrale.

Außerdem begrenzt das Produkt die Wertentwicklung durch eine Obergrenze. Dieser Cap wird, abhängig von den Überschusserträgen, jährlich neu definiert, während monatliche Verluste voll in die Renditebetrachtung einfließen (FONDS professionell ONLINE hat die Funktionsweise von Indexpolicen unter die Lupe genommen – lesen Sie hier weiter!) (jb)