Die Verbraucherzentrale Sachsen hat derzeit alle Hände voll zu tun. Sie überprüft die Zinsberechnungen für langfristige Sparverträge, die Sparkassen vor Jahren bundesweit im Sortiment hatten. Auslöser waren Kunden von sächsischen Sparkassen, die sich bei den Verbraucherschützern über die einseitigen Kündigungen ihrer Verträge beschwert hatten. Dabei kamen laut einer Pressemitteilung weitere Ungereimtheiten bei der Ermittlung der Zinsguthaben und Bonusbeträge zutage.

Bei den Produkten handelt es um sogenannten Prämiensparverträge, die viele Sparkassen, aber auch private Banken, vor Jahren massenhaft verkauften. Diese bieten neben einer festen Bonusstaffel auch eine variable Grundverzinsung, deren Berechnung auf einem Referenzzins beruht. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes (BGH) muss der Sparer die Änderungen dieser variablen Verzinsung aber nachvollziehen können. Ferner hat der BGH angeordnet, dass für die Berechnung ein Referenzzinssatz für langfristige Spareinlagen herangezogen wird. Die Sparkassen in Sachsen, aber auch in anderen Bundesländern haben laut der Verbraucherzentrale aber unterschiedliche Referenzzinssätze genutzt, die diesen Vorgaben des BGH nicht entsprechen.

Höchster Fehlbetrag; 13.000 Euro
Als Resultat sei die Verzinsung immer weiter gesunken und liege praktisch bei null Prozent – machem Prämiensparer entgehen dadurch teils enorme Summen. "Nach rechnerischen Überprüfungen hat sich bei Stichproben pro Sparvertrag eine Summe im drei- bis vierstelligen Bereich aufgetan, die unserer Meinung nach den Sparern noch zusätzlich zusteht", so Andrea Heyer, Referatsleiterin Finanzen bei der Verbraucherzentrale Sachsen. Nach einem Bericht des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) belaufe sich die geringste Nachforderung auf 200 Euro, die höchste sogar auf 13.000 Euro. 

Der Ostdeutsche Sparkassenverband (OSV) hatte dem MDR zufolge erklärt, eine Schlichtungsstelle einrichten zu wollen, an die sich Kunden wenden könnten. Die Verbraucherzentrale Sachsen hat dazu nach eigener Auskunft bis heute noch keine offizielle Information seitens der Sparkassen erhalten. Da auch Kunden von Sparkassen in anderen Bundesländern falsche Berechnungen vermuten, kümmern sich die sächsischen Verbraucherschützern auch um diese. Man sei bundesweit die einzige Verbraucherzentrale mit einem entsprechenden Beratungsangebot, so eine Sprecherin. (jb)