Versicherer setzen seit einiger Zeit verstärkt auf alternative Investments, wie etwa Beteiligungen und Finanzierungen von Solaranlagen. Die Idee ist angesichts der Minizinsen gut, allerdings birgt sie für die Assekuranz auch einige Fallstricke, wie ein Urteil des Landgerichts Stuttgart gegen die Stuttgarter Lebensversicherung zeigt: Die Gesellschaft aus der baden-württembergischen Landeshauptstadt muss Schadensersatz für Anleger mittragen, die in die von ihr finanzierte Solaranlage der insolventen Firma Eurosolid investiert hatten. Einem Bericht der "Stuttgarter Zeitung" zufolge hatte Eurosolid die Käufer mit stark überhöhten Ertragsprognosen gelockt. 

Das Gericht entschied, dass sich der Versicherer die "arglistige Täuschung" durch den Solaranlagenbetreiber zurechnen lassen muss. Die Assekuranz hatte stets betont, nur die Darlehen gewährt zu haben, nicht aber für die Rentabilität der Anlagen verantwortlich zu sein. Den Richtern erscheint es der Zeitung zufolge jedoch "nicht ganz fernliegend", dass sie die Stromerträge selbst überprüft und damit die überhöhten Preise gesehen haben.

"Verbundenes Geschäft"
Ferner habe es eine enge Geschäftsbeziehung zur Eurosolid gegeben. Auch daher gehen die Richter am Landgericht davon aus, dass der Stuttgarter die Täuschung bekannt gewesen sei. Im Verfahren habe sie zumindest nicht nachweisen können, dass weder der Vorstand noch die zuständigen Mitarbeiter von den überhöhten Preisen gewusst hatten. Da es sich nach Meinung des Landgerichts um ein "verbundenes Geschäft" handelt, stehe der Versicherer in der Mithaftung. 

Die Vorinstanz hatte die Sachlage anders gesehen und den Versicherer aus der Haftung entlassen. Ob er aber zahlen muss, bleibt abzuwarten. Die Stuttgarter Lebensversicherung hat dem Bericht zufolge angekündigt, Berufung beim Oberlandesgericht einzulegen. (jb)