Beschäftigte der deutschen Finanzaufsicht Bafin handelten in den Monaten vor dem Bekanntwerden der Wirecard-Pleite verstärkt mit Papieren des Zahlungsdienstleisters. Im ersten Halbjahr 2020 entfielen 2,4 Prozent aller gemeldeten privaten Finanzgeschäfte von Mitarbeitern der Aufsicht auf Transaktionen mit Wirecard-Aktien oder Derivaten. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf ihr vorliegende Antworten des Bundesfinanzministeriums (BMF) auf einen Fragenkatalog der Grünen. Zum Vergleich: 2018 lag der Anteil von Geschäften der Bafin-Mitarbeiter mit Wircard-Papieren bei 1,2 Prozent, 2019 bei 1,7 Prozent

Die Zunahme des Handels mit Wirecard-Papieren habe die Behörde mit den höheren Schwankungen des Aktienkurses durch die Medienberichterstattung erklärt. Das schreibt Reuters unter Verweis auf die Antwort des BMF. Die verstärkten Wirecard-Aktiengeschäfte der Bafin-Mitarbeiter seien demnach im Vergleich zu anderen Dax-Werten, bei denen die Volatilität gestiegen sei, "nicht ungewöhnlich beziehungsweise nicht auffällig", heißt es dort weiter. Den Angaben des Finanzministeriums zufolge zeigten 2019 und im ersten Halbjahr 2020 circa 20 Prozent der Bafin-Beschäftigten private Finanzgeschäfte an. Sie seien alle durch die Fachvorgesetzten genehmigt worden, sodass jene Personen auch keine Insiderkenntnisse über Wirecard besessen hätten.

Massive Kritik an Bafin
Die Aufmerksamkeit, die diese Zahlen dennoch erregen, beruht vermutlich auf der Tatsache, dass die Aufsicht und das ihr vorgesetzte BMF wegen des Wirecard-Skandals massiv in der Kritik stehen. Zuletzt hat der bekannte Jurist Andreas Tilp der Behörde in einem Interview mit FONDS professionell ONLINE vorgeworfen, dass sie "jahrelang unter grober Verletzung ihrer gesetzlichen Aufgaben und Befugnisse eigene Ermittlungen gegen die Wirecard AG wegen Marktmanipulation verweigert hat." Tilp  stuft das Vorgehen der Behörde bei dem Zahlungsdienstleister als "Hardcore-Fall von Amtsmissbrauch" ein.

Der in Aschheim bei München ansässige Zahlungsdienstleister musste Ende Juni 2020 Insolvenz anmelden. Ferner wirft die Staatsanwaltschaft München dem früheren Vorstandschef Markus Braun und anderen Managern vor, mindestens seit Ende 2015 die Bilanzsumme und den Umsatz des Zahlungsanbieters durch Scheingeschäfte aufgebläht zu haben. Die Aktie des Wirecard-Konzerns, die erst im September 2018 in den Dax aufgestiegen war, fliegt daher noch im August wieder aus dem deutschen Leitindex. (jb)