Die Comdirect hat die für Anfang Mai geplante Einführung neuer Kontomodelle vorerst gestoppt. Der Grund ist ein in der vergangenen Woche gefälltes Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) zu den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) von Banken, wie das "Handelsblatt", meldet. "Die Comdirect wird die schriftliche Urteilsbegründung abwarten und im Anschluss eine Bewertung vornehmen", heißt es in einer Mitteilung der Direktbank an ihre Kunden.  

Der BGH hatte am vergangenen Dienstag entschieden, dass bestimmte Klauseln in AGB von Banken unwirksam seien. Diese legen fest, dass Kunden Änderungen immer dann zustimmen, wenn sie auf die Ankündigung dieser Änderungen nicht ausdrücklich und schriftlich reagieren – auch "stillschweigende Zustimmung" genannt. Aus Sicht des BGH sind derartige Klauseln aber zu weitreichend und benachteiligten die Kunden.

Rückschlag für den Sanierungskurs
Für die Comdirect ist das Urteil ein Rückschlag für den eingeschlagenen Sanierungskurs, so die Wirtschaftszeitung. Die Direktbank habe über Jahre auf starkes Kundenwachstum gesetzt und Girokonten zum Nulltarif angeboten. Nun verschärfe das Kreditinstitut im Rahmen einer neuen Strategie die Preispolitik für Privatkunden, um profitabler zu werden. Ein wichtiger Teil der Strategie sei die Abschaffung der bedingungslosen Gratis-Girokonten. Künftig soll die Gebührenfreiheit an bestimmte Bedingungen geknüpft sein. Bei der Comdirect ist das etwa ein Mindestgeldeingang von 700 Euro.

Die Mutter Commerzbank habe etwas mehr Zeit als ihre Onlinetochter, um die Gebührenpläne zu überprüfen. Die immer noch zweitgrößte Geschäftsbank Deutschlands plane die Abschaffung des bedingungslosen Gratis-Kontos für Bestandskunden erst im Juli. Für Neukunden hatte das Bankhaus bereits im Oktober 2020 ein neues Preismodell eingeführt. Ein Sprecher sagte dem Handelsblatt, die Commerzbank werde sich die Urteilsbegründung ebenfalls erst ansehen und dann bewerten. (jb)