Ein wichtiger Schritt bei der Vermittlung eines Anlageproduktes ist die Ermittlung der Risikotoleranz des Kunden nach Paragraf 64 Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) respektive Paragraf 16 Finanzanlagenvermittlungsverordnung (FinVermV). Berater müssen vor der Produktwahl die "Risikoklasse" des Anlegers sowie seine Kenntnisse und finanzielle Situation ermitteln, um so ein Risikoprofil zu erstellen.

Der dazu genutzte sogenannte WpHG-Bogen stößt bei Experten auf Kritik. "Die Regulierung macht bestimmte Vorgaben, schreibt aber keinen konkreten und kompletten Prozess vor", erklärt Marco Habschick, Partner beim Consultinghaus Everest. "Das führt dazu, dass jeder Marktteilnehmer den WpHG-Bogen selbst entwickelt und insbesondere für die Ermittlung der Risikobereitschaft der Kunden unterschiedliche Methoden in Gebrauch sind, die mitunter auf unklaren oder wenig hilfreichen Fragen basieren."

Dieses und andere Probleme wollen Branchenkenner mittels einer Standardisierung und Präzisierung der Risikoprofilermittlung lösen. Ein Ausschuss am Deutschen Institut für Normung (DIN), bestehend aus Vertretern von Banken, Versicherern und Verbraucherschützern, erarbeitet daher die DIN 77223 "Risikoprofilierung von Privatanlegern unter Berücksichtigung ihrer Vermögens- und Einkommenssituation". Ende Oktober wurde ein Entwurf veröffentlicht. In der Bilderstrecke oben stellt FONDS professionell ONLINE die bislang bekannten Details vor. (jb)


Einen ausführlichen Bericht über die DIN 77223, eingeschlossen deren rechtlicher Aspekte sowie der von Experten geäußerten Kritikpunkte an dem Regelwerk, finden Sie in FONDS professionell 4/2021 ab Seite 414. Angemeldete Mitglieder des FONDS professionell KLUBs können den Artikel auch hier im E-Magazin lesen.