Online-Vergleichsportale stehen schon seit langer Zeit immer wieder in der Kritik. Zu geringer Marktüberblick, zu intransparent, lauten die Vorwürfe. Diese hat nun die Wettbewerbszentrale in Bezug auf acht Finanzportale erneuert, die Vergleichsrechner für Giro- und Tagesgeldkonten sowie Ratenkredite bieten. In fünf Fällen lagen nach Auffassung der Selbstkontrollinstitution der Wirtschaft Wettbewerbsverstöße im Sinne des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) vor, wie diese in einer Pressemitteilung schreibt. 

So beanstanden die Wettbewerbshüter, dass die Portale nicht darauf hingewiesen hatten, dass ihre "Vergleichsrechner" nur solche Anbieter anzeigten, mit denen das jeweilige Portal die Zahlung einer Provision für den erfolgreichen Vertragsabschluss vereinbart hatte. Einen zuverlässigen Vergleich der am Markt angebotenen Produkte bieten die Rechner damit nicht. "Bei den unterbliebenen Informationen handelt es sich nach Ansicht der Wettbewerbszentrale um wesentliche Informationen. Das Fehlen dieser Informationen stellt eine Irreführung durch Unterlassen gemäß Paragraf 5a Absatz 1 UWG dar", so die Wettbewerbszentrale.

Intransparenz und Irreführung bei Ranking und Bewertungen
Darüber hinaus fehlten in den betreffenden Fällen Angaben dazu, nach welchen Kriterien die Rankings zustande gekommen waren. Zu dieser Information sind die Anbieter laut den Wettbewerbshütern seit der Reform des UWG im Mai 2022 gemäß Paragraf 5b Absatz 2 UWG aber verpflichtet: Sie müssen die Hauptparameter zur Festlegung des Rankings sowie deren relative Gewichtung im Vergleich zu anderen Parametern mitteilen.

Zudem beanstandete die Wettbewerbszentrale einige der abgebildeten Anbieterbewertungen als irreführend. Hier seien zum einen Ergebnisse von Sternebewertungen präsentiert worden, ohne dass eine Quelle oder ein Hyperlink für die Bewertungen aufgeführt war. Zum anderen war hinter den Bewertungsergebnissen eine Anzahl von Kundenbeurteilungen angegeben, ohne dass erkennbar war, ob Verbraucher oder sonstige Personen überhaupt Bewertungen verfasst hatten.

Eine Unterlassungsklage
Im Nachgang der Beanstandungen haben sich nach Angabe der Wettbewerbszentrale fünf der betroffenen Finanzportale dazu verpflichtet, solche wettbewerbswidrigen Handlungen künftig zu unterlassen. In einem Fall haben die Wettbewerbshüter eine Unterlassungsklage erhoben. Zudem hat das Affiliate-Netzwerk, das sämtliche der beanstandeten "Rechner" zur Verfügung gestellt hatte, diese nun mit den erforderlichen Informationen versehen und die beanstandeten Anbieterbewertungen entfernt hat. (jb)