Die spektakuläre Pleite des einst über alle Zweifel erhabenen Zahlungsabwicklers Wirecard hat für die Finanzaufsichtsbehörde Bafin möglicherweise ein juristisches Nachspiel. Das Landgericht Frankfurt muss derzeit eine Flut an Zivilklagen gegen die Aufsichtsbehörde bearbeiten, wie verschiedene Medien berichten, darunter die "Süddeutsche Zeitung“ (SZ). Gerichtspräsident Wilhelm Wolf sprach am Freitag von bislang 1.500 Klageeingängen, die bearbeitet werden müssten. Weitere 20.000 Verfahren seien von diversen Anwaltskanzleien angekündigt worden, so die SZ.

In den Prozessen geht es um möglichen Schadenersatz der Aktionäre wegen fehlender oder unzureichender Aufsichtsführung der Bafin. Das Führungsteam um Markus Braun, ehemals Vorstandschef von Wirecard, soll schon seit 2014 die Erfolgsrechnungen des Konzerns mit fingierten oder frei erfundenen Umsätzen und Erlösen künstlich aufgebläht haben. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt daher unverändert wegen bandenmäßigen Betrugs

Es kann kaum schlechter werden
Die Bafin hat bei der Aufarbeitung des Skandals bislang keine gute Figur gemacht. Die Aufsicht, die mittlerweile eine neue Spitze erhielt, hat sehr lange gezögert, überhaupt zu reagieren – obwohl ihr schon längere Zeit Informationen vorgelegen hatten, dass es bei Wirecard nicht mit rechten Dingen zuging. Stattdessen hatte die Behörde am 18. Februar 2019 ein Leerverkaufsverbot in Wirecard-Aktien angeordnet und im April 2019 sogar Klage gegen einen Journalisten der Financial Times erhoben, der kritisch über Wirecard berichtet hatte. Der mittlerweile verstorbene Anwalt Andreas Tilp hatte schon im August 2020 im Rahmen eines Kapitalanlegermusterverfahrens Klage gegen die Bafin erhoben, um so Schadenersatz für geschädigte Wirecard-Investoren zu erreichen. (jb)