Tausenden Aktionären des Mitte 2020 zusammengebrochenen Zahlungsdienstleisters Wirecard droht neues Unheil, nachdem sie bereits hohe Verluste ohne Aussicht auf irgendeine Kompensation erlitten haben. Der Grund: Insolvenzverwalter Michael Jaffé bereitet offenbar Rückforderungen an sie in Höhe von 47 Milliarden Euro vor. Dies berichtete zuerst die "Süddeutsche Zeitung" (SZ).

Bei den Rückforderungen soll es sich um Dividenden handeln, die der ehemlige Dax-Konzern für die Geschäftsjahre 2017 und 2018 ausgeschüttet hatte. In diesen Jahren hatte Wirecard Gewinne ausgewiesen, die nach Jaffés Auffassung aber lediglich auf dem Papier existierten, schreibt die SZ. Die Zeitung bezieht sich dabei auf den neuesten Sachstandsbericht, den der Insolvenzverwalter einem Insider zufolge am Mittwoch vergangener Woche (19. Mai) dem Amtsgericht München vorgelegt habe.

Im Interesse der Gläubiger
Demnach beabsichtigt Jaffé, die Geschäftsberichte der betreffenden Jahre für nichtig erklären zu lassen. Sollte es dazu kommen, wären auch die Gewinnbeteiligungen der Aktionäre im Nachhinein hinfällig. Der Insolvenzverwalter müsste die unrechtmäßig erfolgten Zahlungen dann im Interesse der Gläubiger zurückfordern.

Wirecard musste im Juni 2020 Insolvenz anmelden, nachdem ein Loch in der Bilanz von 1,9 Milliarden Euro aufgedeckt worden war. Dem damaligen Vorstand des Konzerns wird vorgeworfen, die Bilanz über Scheingeschäfte systematisch aufgebläht zu haben. Nach Jaffés Berechnungen habe Wirecard Verluste über insgesamt 1,1 Milliarden Euro angehäuft. Dies geht nach Informationen der SZ aus dem erwähnten Sachstandsbericht hervor.

Komplizierte Rechtslage
Dieser zeige auch, dass rund 40.000 Aktionäre Kursverluste mit Wirecard-Papieren als Forderungen beim Insolvenzverwalter angemeldet haben. Insgesamt gehe es um über neun Milliarden Euro. Jaffé macht den Aktionären allerdings wenig Hoffnung auf Schadenersatz. Die Rechtslage sei kompliziert, eine höchstrichterliche Klärung womöglich notwendig. (am)