Seit Jahresbeginn müssen alle Riester- und Rürup-Renten ein neues Produktinformationsblatt (PIB) vorweisen. Dieses soll Kunden sowie Berater über wichtige Aspekte wie die mögliche Wertentwicklung, die Kosten und das Chancen-Risikoprofil mittels der Chancen-Risiko-Klasse (CRK) der Altersvorsorgeprodukte aufklären. Davon erhofft sich der Gesetzgeber eine größere Transparenz und Vergleichbarkeit der Angebote – allerdings scheint sich diese Hoffnung eher nicht zu erfüllen.

Zu diesem Ergebnis kommt das Institut für Fürsorge und Finanzplanung (IVFP) nach einer eingehenderen Analyse der PIBs von Riester- und Rürup-Fondspolicen anhand der CRK. Die IVFP-Experten sind der Meinung, dass Kunden die Einstufung der Produkte in die jeweilige Klasse ohne fundiertes Hintergrundwissen nicht verstehen können.

Gleiches Konzept – unterschiedliche CRK für Riester- und Rürup-Produkt
Aber der Reihe nach: Die CRK soll Verbrauchern einen besseren Anhaltspunkt geben, wie sich ein Produkt wahrscheinlich entwickeln wird und welches Risiko besteht. Der CRK-1 gehören die Produkte an, die am wenigsten risikobehaftet sind, dafür aber die geringste Chance auf eine höhere Rendite ausweisen.

Die Angebote in der CRK-5 weisen umgekehrt die höchste Renditechance aus, müssen aber beispielsweise keine Garantie auf die eingezahlten Beiträge geben. Die entsprechenden Einstufungen basieren auf Vorgaben der eigens dafür gegründeten Produktinformationsstelle Altersvorsorge (PIA) (FONDS professionell ONLINE berichtete).

Dem IVFP zufolge werde nun aber beispielsweise ein identisches klassisches Produkt mit Garantiezins als Riesterrente in CRK-1 eingeordnet, als Basisrente aber in CRK-3. Dies liege daran, dass in der Rürupversion im Gegensatz zu den nach dem Ex-Bundesarbeitsminister benannten Angeboten eine Brutto-Beitragsgarantie nicht bedingungsmäßig geregelt ist. Dies sei jedoch eine Voraussetzung für die Einstufung eines Produktes in die CRK-1 oder CRK-2. "Diese Schlussfolgerungen kann jedoch ein Kunde nicht ziehen", so die im bayerischen Altenstadt an der Waldnaab ansässige Gesellschaft.

"Herrschende Intransparenz"
Ein anderes Beispiel: Das gleiche fondsgebundene Produkt mit Garantie – beispielsweise 80 Prozent der eingezahlten Beiträge – könne für einen Vertrag mit langer Laufzeit in einer deutlich höheren CRK eingestuft werden als bei einer kürzeren Laufzeit. Die höhere CRK-Einstufung bei langen Laufzeiten durch die PIA sei dadurch begründet, dass das Produkt einen höheren Anteil in Fonds investiert und somit höheren Chancen, aber auch Risiken unterliegen kann. Auch diesen Zusammenhang könne ein Verbraucher nicht zwangsläufig selbst erkennen.

Das Analysehaus hat daher zu den Vorgaben der PIA eine klare Meinung: "Trotz dieser Vorgaben herrscht ein Durcheinander in puncto Vergleichbarkeit. Immer mehr Vermittler und Verbraucher verlieren den Überblick. Momentan kann daher eher von einer herrschenden Intransparenz gesprochen werden." (jb)