"Mit dieser Entscheidung wurde das so genannte Kick back-Urteil des BGH erstmals auf einen freien Finanzvertrieb ausgeweitet", erklärt dazu Jens-Peter Gieschen, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht sowie Partner der auf die Interessenvertretung von Investoren spezialisierten KWAG Rechtsanwälte. Das Berliner Landgericht habe einem Finum-Mitarbeiter fehlerhafte Anlageberatung attestiert. Bei der Vermittlung einer Beteiligung am Lebensversicherungsfonds "BAC Life Trust 6 GmbH & Co. KG" sei der Klägerin die Provisionshöhe, die der Finanzvertrieb für die Vermittlung von Fondsanteilen erhalten hatte, verschwiegen worden.

"Positive Folgen für tausende Investoren"
"Obwohl es vor dem LG Berlin um einen Einzelfall ging, dürfte die Entscheidung positive Folgen für tausende Investoren haben, die sich auf Empfehlung von freien Finanzvertrieben an Geschlossenen Fonds beteiligt hatten und sich nun erheblichen Verlusten gegenüber sehen", so Gieschen. Das Landgericht Berlin habe den freien Finanzvertrieb FiNUM Private Finance AG als Wertpapierdienstleistungsunternehmen klassifiziert, "auf den die Kick back-Rechtsprechung des BGH anzuwenden ist", betont Gieschen. Grunsätzlich müssen Wertpapierdienstleistungsunternehmen und Banken bei der Vermittlung von Anteilen an Geschlossenen Fonds ihre Kunden über erhaltene Rückvergütungen, so genannte Kick-backs, informieren (Urteil vom 15. April 2010, Az.: III ZR 196/09).

Im vorliegenden Fall hatte der Finanzvertrieb FiNUM laut Gieschen eingeräumt, für die erfolgreiche Vermittlung der Fondsbeteiligung eine Provision in Höhe von 7,5 Prozent der Zeichnungssumme erhalten zu haben. In seiner Urteilsbegründung verwies das Landgericht Berlin darauf, der beklagte Finanzvertrieb Finum habe "letztendlich selber eingeräumt", dass die Anlegerin und Klägerin nicht über die Höhe der Provision informiert worden war.

"Die Klägerin wiederum hätte nach eigenen Angaben im Wissen einer hohen Provision die Fondsbeteiligung nicht gezeichnet", so Gieschen, "und sich stattdessen für ein Investment entschieden, das zum Einen sicher sein und zum Anderen mindestens vier Prozent Zinsen im Jahr abwerfen sollte". Die bei der Fondsbeteiligung in Aussicht gestellte Rendite von 19 Prozent im Jahresschnitt sei jedoch mit einer sicheren Anlagestrategie nicht zu erzielen.

"Praktisch alle Lebensversicherungsfonds des Anbieters BAC, Berlin Atlantic Capital, sind für Investoren eine finanzielle Katastrophe", erklärt Gieschen. Deshalb rät er betroffenen Anlegern, schnellstmöglich – falls noch nicht geschehen – Schadenersatzansprüche wegen fehlerhafter Anlageberatung prüfen zu lassen. "Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit erheblich, den finanziellen Schaden zu begrenzen oder die Verluste zu vermeiden." (hh)