Die Gefahr für Finanzmarktblasen nimmt zu, warnt Karl-Heinz Thielmann vom Analysehaus Long-Term Investing Research. Im laufenden Jahr hat es bereits zwei Blasen gegeben, die der Anlageexperte als Superblasen bezeichnet: bei chinesischen Inlands-Aktien und bei kontinentaleuropäischen Staatsanleihen. "Bei diesen Anlageklasse stiegen die Kurse im Frühjahr spektakulär an", sagt Thielmann. Die Bewertungskennziffern bei chinesischen A-Aktien hätten Bewertungskennziffern erreicht, die man bis dato als absurd betrachtet habe. Der Investment-Experte definiert Superblasen nicht nur über das Ausmaß des Preisanstiegs, sondern auch über die hohen Volumina, die hinter dem Anstieg stehen.

Thielmann macht zwei Hauptursachen für Superblasen aus. Die erste ist das Herdenverhalten: "Es gibt starke Anreize für Fondsmanager, sich prozyklisch und damit blasenverstärkend zu verhalten", sagt er. Die Leistung von Fondsmanagern werde oft nach jüngsten Performancedaten bewertet. Zudem würden Anlagen auf Grundlage regelbasierter Strategien zunehmend unabhängig von Bewertungen oder Timing-Überlegungen vorgenommen. Daneben begünstigten staatliche Eingriffe die Bildung von Blasen an den Finanzmärkten.

Blasen werden erfolgsentscheidend
Die Geldanlage werde durch diese Entwicklungen immer schwieriger, so Thielmann. Kapitalmärkte, die von Staatsinterventionen oder Herdentrieb bestimmt werden, könnten fundamentalen Trend lange entgegenlaufen. "Für kurz- bis mittelfristig orientierte Anleger werden Kurserwartungen auf Basis von Fundamentalanalysen praktisch unbrauchbar", sagt der Experte. Für den Investmenterfolg dieser Anleger könnten Blasen mittlerweile entscheidender sein als fundamentale Trends. (fp)