Mit einem Umsatzzuwachs von zwölf Prozent und einem Gesamtvolumen von 47,4 Milliarden Euro erlebte der Kunstmarkt 2013 einen ordentlichen Aufschwung. Starke Umsatzsteigerungen bei vielen Auktionshäusern im ersten Halbjahr 2014 deuten darauf hin, dass im laufenden Jahr für den gesamten Kunstmarkt neue Rekordzahlen erreicht werden. Getrieben werde dieser Boom vor allem von vermögenden Privatleuten, die zeitgenössische Kunst kaufen, sagt Karl-Heinz Thielmann, Geschäftsführer des Analysehauses Long-Term Investing. In aktuellen Umfrage für den "Art & Finance Report 2014" von Deloitte und ArtTactic gaben 76 Prozent aller befragten Kunstsammler an, dass sie Kunst aus Investmentüberlegungen erwerben. Fast 90 Prozent aller Family Offices sowie 64 Prozent der an der Umfrage beteiligten Private-Banking-Abteilungen von Finanzinstituten gaben an, dass die Beschäftigung mit Kunst-Anlagen für sie in den kommenden zwölf Monaten ein strategischer Fokus ist.

Der Kunstmarkt scheine allerdings anderen Regeln zu folgen als normale Märkte, stellt Thielmann fest. Erstens versuchten Galeristen, Preissenkungen für ihre Kunstwerke zu vermeiden. Zweitens sei die Größe eines Kunstwerks oft der wichtigste Preisbestimmende Faktor. Galeristen vermieden es in der Regel, ähnlich große Werke eines einzigen Künstlers mit verschiedenen Preisen zu versehen. Anleger müssen zwischen dem von Galeristen dominierten Primärmarkt und dem Sekundärmarkt, also Auktionshäusern oder Kunsthändlern, unterscheiden. "Die Beziehungen zwischen dem primären und dem sekundären Markt sind grundlegend anders als in anderen Anlagemärkten", erklärt Thielmann. Darüber hinaus seien Preismanipulationen nicht selten.

Steuerbelastung ist in Deutschland besonders hoch
Interessierte Anleger sollten die enormen Transaktionskosten beim Kunstkauf nicht vernachlässigen, rät der Analyst. Diese setzten sich aus Gebühren beziehungsweise Kommissionen für Galeristen beziehungsweise Auktionatoren sowie Zölle und anderen Abgaben wie der Mehrwertsteuer zusammen. Darüber hinaus müsse ein Kunstkäufer mit erheblichen Folgekosten rechnen, etwa durch Aufwendungen für eine sichere Lagerung oder Versicherungen. In Deutschland müsse man bei der Auktion eines Kunstwerkes im Wert von 20.000 Euro inklusive Steuern mit Transaktionskosten von insgesamt 50 bis 70 Prozent des Zuschlagspreises rechnen, bei einem Wert von fünf Millionen Euro dagegen eher mit 30 bis 40 Prozent. In der Schweiz oder den USA seien die Transaktionskosten aufgrund der niedrigeren Steuerbelastung in der Regel geringer. (mb)