Im Skandal um das Fondsemissionshaus Wölbern Invest wurde vor wenigen Wochen ein neues Kapital aufgeschlagen. Denn die Anleger gehen gegen frühere Berater des ehemaligen Wölbern-Chefs Heinrich Maria S. vor. Insgesamt 29 Fondsgesellschaften und der Insolvenzverwaltet der Wölbern Invest KG und der Wölbern Fondsmangement GmbH, Rechtsanwalt Tjark Thies, haben gemeinsam beim Landgericht Hamburg eine Klage gegen die Kanzlei Bird & Bird sowie die Rechtsanwälte Frank M., Thomas D. und Ole B. eingebracht. Die Fonds fordern Schadensersatz in Höhe von 150 Millionen Euro.

Paribus führt die Klage wegen "diversem Fehlverhalten" an
Die Wölbern-Fonds werden mehrheitlich von Paribus gemanagt (FONDS professionell ONLINE berichtete). Aber auch die Insolvenzverwalter der insolventen Fonds Holland 52, Holland 54, Holland 55 und Holland 56 sowie die KKL Consulting GmbH als Geschäftsführerin des Fonds Österreich 1 haben sich der Klage angeschlossen. Die Fonds fordern in unterschiedlicher Höhe Schadensersatz nebst kapitalisierten Zinsen. Dazu teilte Paribus in einer Presseerklärung mit:

"Die Klage bezieht sich auf sechs Kernpunkte, die diverses Fehlhalten der Beklagten sowohl vertraglicher als auch deliktischer Art umfassen. Die Klagepunkte sind im Einzelnen: 1. Ideengeber der mutmaßlichen Veruntreuungen von Anlegergeldern, 2. Bemäntelung von Veruntreuungshandlungen, 3. Schaffung einer rechtlichen Scheinlegitimation, 4. Unterverschlusshalten sämtlicher Dokumente, 5. Abblocken berechtigter Auskunftsansprüche von geschädigten Anlegern und 6. Irreführung der Strafermittlungsbehörden. Der Streitwert der Klage beläuft sich insgesamt auf rund 166 Millionen Euro: davon beziehen sich 130 Millionen Euro auf Zahlungsansprüche und 36 Millionen Euro auf Freistellungsansprüche."

Schwere Vorwürfe: Pflichtverletzungen und Anstiftung und Beihilfe zur Untreue
Die Klage steht in Zusammenhang mit dem so genannten "Liquiditätsmanagementsystem", dass Wölbern Invest in den Jahren 2011 und 2012 installierte (FONDS professionell ONLINE berichtete). Der Plan und die Umsetzung des Plans, die Liquidität zahlreicher Immobilienfonds zu poolen, war äußerst umstritten. Etliche Anleger sind gegen das "Liquiditätsmanagementsystem" vorgegangen. Schwere wiegen allerdings die Vorwürfe gegen den Ex-Wölbern-Chef, unrechtmäßig hohe Geldbeträge von den Fondskassen abgezweigt zu haben. Seit Mitte Mai 2014 steht der Manager vor Gericht, weil ihm die Staatsanwaltschaft "gewerbsmäßige Untreue in 360 Fällen" mit einem veruntreuten Kapital in Höhe von 147,3 Millionen Euro vorwirft.

Die Kläger werfen den Beklagten unter anderem Pflichtverletzungen in der Testphase und Durchführung des "Liquiditätsmanagementsystems" und bei der Emission von Anleihen durch die Wölbern Invest B.V., die den rechtlichen Rahmen des Cashpools bildete, vor. Die Pflichtverletzungen seien für die geltend gemachten Schäden ursächlich geworden, heißt es in der Klage, und dem Wölbern-Management sei zu der rechtswidrigen Einführung des "Liquiditätsmanagementsystems" geraten worden. Schließlich erheben die Fonds "deliktische Schadensersatzansprüche" wegen der "strafbaren Anstiftung und Beihilfe zu den Untreuehandlungen" des Ex-Wölbern-Chefs vor. "Das strafbare Verhalten erfolgte auch durch und im Zusammenhang mit der Erbringung der Beratungsleistungen", heißt es in der 264 Seiten umfassenden Klagsschrift.

Bird & Bird wehrt sich
Die Beklagten haben gemäß gerichtlicher Verfügung vom 6. Januar 2015 sechs Wochen Zeit, die Klage schriftlich zu erwidern und zum Beispiel Einreden und Einwendungen, Beweisangebote und Beweiseinreden vorzubringen (Az. 327 O 637/14, LG Hamburg). Auf Anfrage von FONDS professionell ONLINE erklärte die Kanzlei Bird & Bird: 

"Wir sehen keine Grundlage für die Klage. Wir werden uns daher mit allen rechtlich verfügbaren Mitteln entschieden zur Wehr setzen und die darin geäußerten Aussagen vollständig ausräumen. Bird & Bird hat sich im Rahmen der Beratung der Wölbern Gruppe im rechtlich zulässigen Rahmen bewegt und an keiner Stelle Rechtsverletzungen legitimiert. Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass wir uns darüber hinaus dazu nicht äußern." (ae)