Der twitterfreudige US-Präsident Donald Trump erweckte über den Kurznachrichtendienst den Eindruck, dass er eine Niederlage bei der anstehenden Wahl nicht akzeptieren will. Dies könnte die Nation schlimmstenfalls in eine Verfassungskrise stürzen. Ariel Bezalel, der den milliardenschweren flexiblen Anleihenfonds Jupiter Dynamic Bond lenkt, hält dennoch an US-Staatsanleihen als Hort der Stabilität fest. 


Herr Bezalel, Sie setzen in Ihrem Fonds auf US-Staatsanleihen. Doch wie reagieren Sie, sollte Donald Trump eine mögliche Abwahl nicht anerkennen und es zu einer Verfassungskrise kommen?

Ariel Bezalel: Der erste Impuls in so einem Fall ist, dass man sich aus US-Investments zurückzieht. Doch dieser Impuls ist falsch. Ich glaube, dass US-Staatsanleihen dann vielmehr eine Rally verzeichnen werden. Denn sie sind unverändert der ultimative sichere Hafen. Selbst als die Ratingagentur S&P die Bonität der USA herabstufte, verzeichneten US-Treasuries steigende Kurse.

Wie kann das sein?

Bezalel: Keine andere Anlageklasse bietet so eine fantastische Liquidität bei einem minimalen Ausfallrisiko. Auch deutsche Bundesanleihen sind sicher, der Markt kommt dem US-Volumen aber nicht annähernd nahe. Zudem würde politische Instabilität die Fed dazu veranlassen, weitere Maßnahmen zu ergreifen. Im Falle einer Verfassungskrise würde auch der Dollar massiv aufwerten. Zugleich wäre die Unsicherheit an den Finanzmärkten natürlich groß.

Als weiteren Sicherheitsanker investieren Sie in australische Staatsanleihen. Sind diese nach wie vor lukrativ?

Bezalel: In diesem Investment spiegelt sich unser Ansatz sehr gut wider: Wir verfolgen langfristige, makroökonomische Ideen. Manchmal braucht es Jahre, bis diese aufgehen. Das Beispiel Australien erwies sich als sehr lukrativ für uns. Wir halten nach wie vor an australischen Staatsanleihen fest. Leider ging das Land jedoch in die gleiche Falle wie der Rest der westlichen Welt.

Die wäre?

Bezalel: Die australischen Konsumenten zählen mittlerweile zu den am höchsten verschuldeten der Welt. Das Verhältnis von Verbindlichkeiten zu Einkommen liegt bei gut 200 Prozent. Die Regierung steigert nun die Ausgaben. Sie hat den Spielraum dafür, da die öffentliche Verschuldung noch gering ist. Doch das wird sich ändern. Damit verlieren die Ausgaben an Wirkung.

Das müssen Sie bitte erklären.

Bezalel: Meine Theorie ist, dass die Wirkung von Staatsausgaben auf eine Volkswirtschaft nachlässt, je höher die öffentliche Verschuldung ist. Ökonomische Studien zeigen: Wenn das Verhältnis von Staatsschulden zu Wirtschaftsleistung das Verhältnis von 50 Prozent übersteigt, beginnt die Wirkung von Ausgaben der öffentlichen Hand zu verblassen. Das wird sich so auch in Australien abspielen.

Andere westliche Länder weisen einen noch höheren Schuldenstand auf.

Bezalel: In vielen Industrieländern erreicht der Schuldenstand das Niveau von 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und wächst rasant. Staatliche Impulse auf die Wirtschaft wirken dann allenfalls ein bis zwei Quartale lang förderlich. Danach nehmen grundlegende Probleme wie die Alterung der Gesellschaft oder Überschuldung wieder überhand. Der Stimulus verpufft und der nächste muss noch größer ausfallen. Letztendlich wird dies irgendwann dazu führen, dass für die westliche Welt ein Schuldenschnitt notwendig ist. Die Geschichte zeigt, dass Schuldenschnitte immer wieder vorkommen.

Vielen Dank für das Gespräch. (ert)