Der Maklerpool BCA bemängelt die neuen Berufsbezeichnungen, die durch die Regulierung der gewerblichen Finanzvermittler und das Gesetz zur Honorarberatung eingeführt werden. Kritisch sei, dass die Begrifflichkeiten von denen für den Versicherungsbereich abweichen. Dort sei klar, dass der Vertreter im Lager der Gesellschaften stehe, während Makler und Berater dem Kunden zugeordnet würden.

Die Schaffung eines neuen "Finanzanlagenvermittlers" und "Honorar-Anlageberaters" verwässere das Berufsbild des Vertreters und des Maklers und sorge für Unklarheiten beim Kunden. Das könne nicht im Sinne des Verbraucherschutzes sein. "Daher wäre es besser, wenn auch für den Finanzsektor auf die Erfahrungen aus der Versicherungswirtschaft zurückgegriffen würde und die dortigen Begriffe 'Finanzanlagenvertreter' für die Vertreter der Gesellschaften einerseits und 'Finanzanlagenmakler' oder 'Berater für Finanzangelegenheiten' für die Vertreter der Kunden andererseits Verwendung finden würden", so der Pool in einer aktuellen Stellungnahme.

"Honorarberatung in der Breite nicht praxisrelevant"
Durch die gesetzliche Regelung der Honoraranlageberatung erwartet das Unternehmen mittelfristig keine nennenswerte Abkehr von der provisionsbasierten Beratung. "Die BCA begrüßt die gesetzliche Verankerung der Finanzberatung auf Honorarbasis in Deutschland als eine weitere Möglichkeit neben der provisionsbasierten Beratungsform. Honorarberatung ist aber nur eine von mehreren Vergütungsformen. Sie sagt nichts über die Beratungsqualität aus", sagt BCA-Vorstand Oliver Lang. Die BCA sei auf die Honorarberatung vorbereitet und könne entsprechende Abwicklungslösungen anbieten.

"Aktuell erleben wir, dass die europäische Neufassung der Versicherungsvermittlerrichtlinie (IMD II) sowie die Verbraucherschützer die Diskussionen um eine Honorarberatung auch im Versicherungsbereich wieder anfachen", ergänzt Langs Vorstandskollegin Jutta Krienke. "Die Erfahrungen haben aber gezeigt, dass die Honorarberatung in der Breite nicht praxisrelevant ist. Die Mehrheit der Bürger ist gemäß Umfragen nicht bereit, für eine Versicherungsberatung ein festes Honorar zu bezahlen, das bei gründlicher Beratung höher als eine Courtage sein könnte." Die Offenlegung der Kosten seit 2008 und nicht die Honorarvereinbarung sei ein Schritt in die richtige Richtung, um Verbrauchern den Preis für die Vermittlungsleistung transparent zu machen.

"Finanzvermittler sind zur objektiven Aufklärung verpflichtet"
Beide Vorstandsmitglieder sind sich einig darin, dass als oberstes Prinzip einer jeden Finanzberatung gelten sollte, dem Kunden diejenigen Finanz- und Versicherungsprodukte zu empfehlen, die seinen Bedürfnissen am besten entsprechen. Primäre Vertriebsanreize müssten in den Hintergrund treten. Aus der Sicht Langs ist es dennoch völlig legitim, Honorarmodelle auch für die Finanzwelt zu entwickeln und anbieten zu wollen.

Letztlich, so Lang, komme es stets auf die Qualität der Beratung und weniger auf die Vergütungsform an. "Finanzvermittler sind im Interesse ihrer Kunden tätig und zur objektiven Aufklärung verpflichtet". Der Kunde könne erwarten, dass seine Vorstellungen objektiv in seinem Sinne umgesetzt werden.

Was, wenn es zu keinem Abschluss kommt?
Auch wenn die gesetzlichen Rahmenbedingungen jetzt klarer seien, führe die Honorarberatung hierzulande immer noch ein Nischendasein, sagt Lang und verweist auf eine aktuelle Umfrage von TNS Infratest. Demnach wäre rund ein Drittel der Deutschen bereit, für eine Beratung direkt ein Honorar zu zahlen. Allerdings wäre vor drei Jahren noch über die Hälfte dazu bereit gewesen.

Ein wesentliches Problem sieht Lang in den Fällen, in denen es nach einer Beratung zu keinem Abschluss komme, aber die Gebühr fällig werde. Das sei dem Kunden nur schwer zu vermitteln. Anders als in anderen europäischen Ländern seien die Anleger hierzulande provisionsbasierte Vergütungen gewohnt und würden die Finanzberatung als kostenlos wahrnehmen. Die Akzeptanzhürden für eine Honorarberatung seien entsprechend hoch. (bm)