Die Experten des Bundesverbandes der Ruhestandsplaner (BDRD) haben nachgerechnet: Die Deutschen, die entsprechend der neuen Regelung zwei Jahre früher in Rente gehen, werden sehr wohl finanzielle Einbußen hinnehmen müssen. Den BDRD-Berechnungen zufolge hat ein verheirateter Mann, der sein Leben lang gearbeitet hat, geringere Netto-Rentenbezüge in Höhe von rund 120 Euro im Monat.

"Reformvorhaben sorgt für weitere Rentenkürzungen"
"Die abschlagfreie Rente mit 63 ist ein Märchen", sagt Toni Wirler, Vizepräsident des BDRD. Die Bezeichnung suggeriere, dass die Bürger zwei Jahre früher in Rente gehen könnten und dabei das gleiche Altersgeld hätten, wie beim regulären Renteneintritt. Das sei jedoch nicht der Fall. Denn in den zwei eingesparten Arbeitsjahren würden die Bürger keine weiteren Rentenpunkte ansammeln – einzig die bis zum 63. Lebensjahr erwirtschafteten Punkte würden angerechnet. "Das Reformvorhaben sorgt für weitere Rentenkürzungen", so Wirler.

Der BDRD zieht einen Vergleich: Seit dem 1. Juli 2013 entspricht ein Entgeltpunkt einer Summe von 28,14 Euro. Diesen einen Punkt bekommen Arbeitnehmer auf ihrem Rentenkonto gutgeschrieben, wenn sie im gesamten Arbeitsjahr das Durchschnittseinkommen verdienen – aktuell liegt es bei 32.446 Euro. Hat ein Arbeitnehmer 45 Jahre lang immer genau das Durchschnittsentgelt verdient, ergibt sich daraus eine Rente von 1266,30 Euro – vor Steuern und Sozialversicherung. Für jedes weitere Arbeitsjahr mit Durchschnittsverdienst steigt die Rente um weitere 28,14 Euro – monatlich und bis zum Rest des Lebens.

Differenz könnte mehr als 120 Euro monatlich ausmachen
"Dem Durchschnittsverdiener entgehen heute also knapp 60 Euro, wenn er vorzeitig in Rente geht", erklärt der BDRD-Vizepräsident. Bei vielen Arbeitnehmern dürfte es aber wesentlich mehr sein. Denn mit dem Alter steige nicht nur die Berufserfahrung, sondern in diesem Zuge auch das Einkommen. Und wer mehr als 32.400 Euro jährlich verdient, bekomme auch mehr als einen Rentenpunkt angerechnet. So könne die Differenz locker 120 Euro und mehr im Monat ausmachen.

Inflation bedenken
"Die Bürger sollten sich also gut überlegen, ob sie tatsächlich früher in den Ruhestand wechseln wollen und sich mit geringeren Nettobezügen zufrieden geben", rät Wirler. Schließlich müssten sich künftige Rentenempfänger auch bewusst sein, dass die in den Mitteilungen der Deutschen Rentenversicherung genannte Rente zum Zeitpunkt der Auszahlung aufgrund der Inflation eine deutlich geringe Kaufkraft hat als heute.

Zahl der Rentner mit Grundsicherung wird zunehmen
Wirler kritisiert zudem, dass aufgrund der Pläne der Bundesregierung immer mehr Steuergelder zur Finanzierung des Alters eingesetzt werden müssen. "Die geringeren Netto-Rentenbezüge aufgrund der Rente mit 63 werden dazu führen, dass die Zahl der auf Grundsicherung angewiesenen Rentner weiter steigen wird."


Über den BDRD:
Der Bundesverbandes Der Ruhestandsplaner Deutschland e.V. BDRD ist ein berufsständischer Verband der Ruhestandsplaner. Die Mitglieder des BDRD müssen jährlich eine Zertifizierung ablegen, mit der die fachliche Kompetenz nachgewiesen wird. Zudem verpflichten sich die BDRD-Ruhestandsplaner zur Einhaltung hoher ethischer und fachlicher Standards bei der Beratung. Ziel der Beratung ist immer die Sicherung der finanziellen Unabhängigkeit der Menschen im und für den Ruhestand. Der BDRD e.V. ist unabhängig in jeder Hinsicht, vertreibt insbesondere selbst keine Finanzprodukte- oder Finanzdienstleistungen und gibt auch keine Empfehlungen zu Produkten ab. (mb)