Bert Flossbach gehörte schon im Vorfeld der Brexit-Entscheidung zu den wenigen Fondsmanagern, die "das Votum der Briten eher als so etwas wie ein Mini-Problem in Europa" betrachten. Der Kölner Erfolgsmanager des FvS Multiple Opportunities hatte vor genereller Hysterie und Panikmache gewarnt. Entsprechend zeigt sich Flossbach auch nach der nun vorliegenden Entscheidung gegenüber FONDS professionell ONLINE davon überzeugt, dass auf Anleger und Investoren Dinge zukommen, gegen die der Brexit sich eher wie eine Art Kindergeburtstag ausnehmen wird.

Herr Flossbach, was sind wesentliche Konsequenzen aus dem Brexit-Entscheid?

Bert Flossbach: Der Ausgang des Referendums kommt nach den Prognosen der vorausgegangenen Tage überraschend – die Marktreaktion fällt entsprechend deutlich aus. Wir gehen aber davon aus, dass die kräftigen Kursschwankungen, die wir am vergangenen Freitag gesehen haben und womöglich auch in den kommenden Tagen noch weiterhin sehen werden, ein vorübergehendes Phänomen sind. Viel bedeutender aus Investorensicht ist langfristig etwas ganz anderes: die aggressive Geldpolitik der Notenbanken weltweit und – damit einhergehend – ein möglicher Vertrauensverlust in unser Geldsystem. Der Brexit ist für sich betrachtet weit weniger relevant als seine Wirkung auf die globale Tiefzinspolitik und den damit verbundenen Abwertungswettlauf der Währungen.

Was sind besondere Risiken, die aus der Entscheidung der Briten erwachsen?

Flossbach: Die Risiken sind vor allem politischer Natur. Das Ergebnis zeigt, wie fragil die Europäische Union in Wahrheit ist. Für den langfristigen Fortbestand der EU lässt der Ausgang des Referendums jedenfalls nichts Gutes erahnen, auch nicht für die Eurozone. Die Union hat ein Legitimationsproblem. Es könnte zu einer Desintegration in der EU, viel wahrscheinlicher aber in der Eurozone kommen. Dabei steht die Handlungsfähigkeit der EZB auf dem Prüfstand, die nur durch die Rückendeckung aus Berlin gewährleistet ist. Die Bundesregierung wird durch den Brexit und die sich weiter verschärfende Tiefzinspolitik mit ihren unangenehmen Konsequenzen für die Sparer zunehmend unter Druck kommen.

Wieso?

Flossbach: Die Deutschen sind aufgrund ihrer Vermögensstruktur am härtesten von den Folgen der Tiefzinspolitik betroffen, was auch für die deutschen Sparkassen und Volksbanken gilt, deren Geschäftsmodell langsam erodiert.

Es wird aber auch immer wieder von Chancen gesprochen, die sich mit den neuen Tatsachen auftun werden. Können Sie welche erkennen?

Flossbach: Es gibt ein Leben nach dem Brexit. Kein Unternehmen wird aufhören, in Großbritannien Geschäfte zu treiben, nur weil sich das Land aus der EU verabschiedet hat. UK wird ein wichtiger Handelspartner für Kontinentaleuropa bleiben, auch ohne EU-Mitgliedschaft.

Wie haben Sie in dem von Ihnen gemanagten Flossbach von Storch Multiple Opportunities auf die "Leave"-Entscheidung reagiert?

Flossbach: Der Fonds war und ist vergleichsweise robust aufgestellt, unabhängig vom Ausgang des Referendums. Eine ausgewogene Diversifikation in Aktien, Anleihen, Gold sowie Währungen und der Fokus auf Qualität – zum Beispiel durch den Verzicht auf Bankaktien – haben geholfen, die unmittelbaren Brexit-Folgen abzufedern. Die Flexibilität, agieren zu können, haben wir durch ausreichende Liquidität gesichert. Einen Teil davon haben wir am Morgen nach Bekanntwerden der britischen Entscheidung eingesetzt und einige Titel gezielt aufgestockt. (hh)