Im zweiten Teil seines Gesprächs mit FONDS professionell ONLINE über den Markt für Bestandsverkäufe spricht Andreas Grim vom Münchner Resultate Institut über die Steuerfallen bei einer Übertragung von Maklerbeständen sowie die Ziele von professionellen Aufkäufern. Den ersten Teil lesen Sie hier.

Bei einigen Bestandverkäufen kommen institutionelle Investoren ins Spiel. Wie umfangreich ist diese Gruppe?

Grimm: Rund 15 Unternehmen. Dazu zählen beispielsweise die JDC Group, die SDV der Signal-Gruppe, Lesitas oder die DEMA. Die haben zum Teil viele Millionen Euro in ihrer Kriegskasse. Manche werben ganz offiziell, manche kaufen still und leise. Aber auch einige bekannte Fintechs sind hier aktiv. Diese haben starke Finanziers im Hintergrund und übernehmen Bestände, die sie im Gegensatz zu den klassischen Bestandsverwaltern auch aktiv zur Neugeschäftsgewinnung einsetzen möchten.

Was ist denn dann das Ziel der institutionellen Aufkäufer?

Grimm: Sie können über ihre Rentenmodelle fast risikolos Erträge generieren, ohne sich dabei zu intensiv um den Bestand kümmern zu müssen. Diesen Unternehmen ist klar, dass der Bestand im Laufe der Zeit immer kleiner wird, weil die versicherten Personen schlicht älter werden oder sterben. Für institutionelle Käufer ist eine solche Übernahme dennoch interessant, weil sie im Gegensatz zum Verkäufer durch die Übernahme kaum Fixkosten haben und durch ihre IT massive Skaleneffekte bei der Bearbeitung der Bestände erzielen. Für den Verkäufer haben diese Modelle aber oft steuerliche Nachteile die dazu führen können, dass diese dann deutlich weniger rentabel sind als der klassische Unternehmensverkauf.

Inwiefern?

Grimm: Viele übersehen, dass auf die als Renten "getauften" laufenden Vergütungen oftmals Umsatzsteuer in Höhe von 19 Prozent entfällt und die Stornoquote nach der Übergabe oftmals deutlich ansteigen kann. Zinst man die prognostizierten zukünftigen Zahlungen zu einem angemessenen Faktor unter Berücksichtigung der Umsatzsteuer und der persönlichen Steuersätze auf heute ab, bleiben von den ursprünglichen 100 Prozent unter dem Strich schnell nur noch gute 20 Prozent des ursprünglichen Wertes übrig.

Wie sähe im Vergleich die Rechnung bei einem Unternehmensverkauf aus?

Grimm: Bei der Übernahme eines ganzen Unternehmens fallen auf Käuferseite in der Regel nur die persönlichen Steuern an. Zusätzlich kann man oft Freibeträge oder gesetzliche Sonderregelungen nutzen. Daher liegt der erzielbare Kaufpreis einer Maklerfirma für den Käufer unter dem Strich nach Steuern meist deutlich höher als beim Bestandsverkauf gegen ein Rentenversprechen.

Was ist denn häufigste Praxis: Verkauf eines Bestandes oder des Unternehmens?

Grimm: Die meisten Makler sind Einzelfirmen. Obwohl man diese auch als Ganzes verkaufen könnte, treffen wir noch auf mehr Bestandsverkäufe, sogenannte "Asset Deals", als auf "Share Deals", bei dem sich die Besitzverhältnisse des Unternehmens ändern. Über den richtigen Weg des Unternehmens- oder Bestandsverkaufs werden übrigens Diskussionen mit fast schon ideologischer Vehemenz geführt.

Könnten Sie das genauer ausführen?

Grimm: Den Weg über das Umwandlungsgesetz von der Einzelfirma zur Kapitalgesellschaft gehen immer noch relativ wenige, obwohl dies durchaus Vorteile hat – insbesondere, was Haftungs- und Datenschutzthemen betrifft. Juristen bevorzugen diesen Weg in der Regel. Fragt man die Steuerberater, sieht es wieder anders aus.  Dort erhält man immer wieder auch die Empfehlungen in Richtung GmbH & Co. KG – oder auch nur zum eingetragenen Kaufmann.

Was raten Sie in diesen Fällen?

Grimm: Wir von Resultate sehen das eher pragmatisch. Es ist wie immer ein Abwägen verschiedener Präferenzen und Ziele sowohl auf Seiten des Käufers wie auch des Verkäufers. Den Königsweg gibt es daher nicht, nur den in der jeweiligen Situation besser oder weniger gut passenden. Wir suchen daher mit unseren Kunden eine ausgewogene Lösung. Unsere Erfahrung zeigt uns: Nur wenn Käufer und Verkäufer das Gefühl haben, ein gutes, faires Geschäft gemacht zu haben, haben wir auch mit hoher Sicherheit eine geräuschlose Übergabe, die auch in den Folgejahren keinen Anlass für Klagen oder juristische Auseinandersetzungen bietet.

Wir danken für das Gespräch. (jb)