Die Coronakrise wird eine "sehr, sehr tiefe Rezession" nach sich ziehen, prophezeit Martin Lück, leitender Anlagestratege bei Blackrock. "Sie hat schon begonnen", sagt er im Interview mit dem Berliner "Tagesspiegel". Der Wirtschaftsabschwung könnte einige Kreditinstitute massiv unter Druck setzen, warnt er. In den USA haben die ersten großen Geldhäuser bereits die Rückstellungen für Kredite deutlich hochgefahren. "Banken, die weniger Wasser unter dem Kiel haben, könnten Probleme bekommen", befürchtet Lück.

Wie ernst es für den Sektor wird, dürfte davon abhängen, wie schnell die Wirtschaft aus der Krise herausfindet, wie viele Unternehmen während der Pandemie pleitegehen und wie viele Kredite in der Folge ausfallen. Kann man Insolvenzen und Kreditausfälle nicht in großem Stil verhindern, liegt eine neue Bankenkrise durchaus im Rahmen des Möglichen, erklärt Lück.

Guter Einstiegszeitpunkt für Aktienanleger
Politiker und Notenbanken haben beispiellose Hilfspakete für die Wirtschaft geschnürt. Ob ihre Bemühungen ausreichen, um das Schlimmste zu verhindern, kann man aber noch nicht sagen. "Auch das hängt davon ab, wie schnell die Krise überwunden werden kann", so der Blackrock-Stratege im Interview. Das Geld müsse jetzt schnell bei den betroffenen Unternehmen, Handwerkern, Selbständigen und Freiberuflern ankommen, mahnt er.

An den Aktienmärkten hält der Experte weitere Rückschläge für möglich. "Aber Aktien sind ein langfristiges Anlageinstrument", betont er. Wer im Jahr 2009, nach Ausbruch der Finanzkrise, eingestiegen ist, liegt immer noch deutlich im Plus. "Wenn ich auf Sicht der nächsten zwei Jahre oder länger investieren möchte, ist jetzt also vermutlich ein guter Zeitpunkt, Aktien zu kaufen", sagt Lück. "Spätestens, wenn flächendeckend ein Impfstoff zur Verfügung steht, könnten Aktien eine positive Kehrtwende erleben." (fp)