Die Furcht vor einer weltweiten Konjunkturabkühlung ist zurückgekehrt, verbunden mit der wachsenden Erwartung, dass Politiker weltweit entschlossener versuchen, das Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Dies ist das Ergebnis der neuesten Bank of America (BoFa) Merrill Lynch-Umfrage unter Fondsmanagern. Insgesamt 260 Fondsmanager, die zusammen 698 Milliarden Dollar verwalten, wurden dafür in der ersten Juniwoche befragt. 188 Fondsmanager nahmen dabei an der global ausgerichteten Umfrage teil, der Rest an regionalen Befragungen für Europa und Amerika.

Netto elf Prozent (Anmerkung: Bei der Umfrage wird für die Ergebnisberechnung zumeist ein "Nettoprinzip" benutzt, indem man die positiven und negativen Antworten gegeneinander verrechnet und die Differenz prozentual ausweist) der Teilnehmer an der globalen Umfrage glauben, dass sich die Weltwirtschaft in den kommenden zwölf Monaten verschlechtern wird - der schwächste Wert seit Dezember 2011. Im vergangenen Monat glaubten noch netto 15 Prozent, dass die Wirtschaft wachsen würde. Der Schwenk um 26 Prozentpunkte vom Positiven ins Negative (11 Prozent plus 15 Prozent) ist die größte seit Juli/August 2011, als die Staatenkrise immer nachdrücklicher ins Bewusstsein der Anleger getreten war. Auch bei den Aussichten auf Unternehmensgewinne gab es einen ähnlich negativen Meinungsumschwung: netto 19 Prozent der Befragten glauben, dass die Unternehmensgewinne in den kommenden zwölf Monaten fallen werden. Im vergangenen Monat prognostizierte noch netto ein Prozent weitere Unternehmensgewinne.

Flucht in risikolose Assets
Weiterhin haben die professionellen Anleger „aggressiv“ risikolose Positionen aufgebaut, so die Autoren der Umfrage. Der durchschnittliche Kassa-Bestand von 5,3 Prozent (4,7 Prozent im Mai) in den Portfolios ist der höchste seit Januar 2009, dem zeitlichen Zenit der globalen Kreditkrise. Gleichzeitig fiel der Risk & Liquidity Composite Indikator von BoFa Merrill Lynch auf 30 Punkte, verglichen mit einem Durchschnitt von 40 Punkten. Die befragten Vermögensverwalter haben zudem in den von ihnen verwalteten Portfolios stark umgeschichtet, was zu einer Netto-Untergewichtung in globalen Aktien und einer Erhöhung des Anleihen-Anteils führte.
 
Ruf nach Unterstützung durch die Politik
Ein weiteres Ergebnis der Umfrage ist, dass die Unterstützung für eine politische Lösung der Krise wächst. EtlicheTeilnehmer glauben, dass die globale Geldpolitik „zu restriktiv“ sei. Netto sechs Prozent vertreten diesen Standpunkt, der höchste Wert seit Dezember 2008. Im Mai hatten noch netto 15 Prozent der Fondsmanager gesagt, die Politik sei „zu stimulierend". Damit ist der Anteil der globalen Investoren, die sagen, dass die globale Finanzpolitik „zu restriktiv" sei, um fünf Prozent auf netto 28 Prozent gestiegen.

„Die Anleger haben extrem risikolose Positionen aufgebaut, sodass Aktien mittlerweile  überverkauft sind. Ich denke aber, dass wir noch nicht die uneingeschränkte Kapitulation der Fondsmanager gesehen haben. Die niedrige Investitionsquote in Europa resultiert ganz einfach aus der Sorge um eine wachsende Gefahr für die europäischen Märkte", sagt Gary Baker, Head of European Equities Strategy at BofA Merrill Lynch Global Research. „Die im Mai ausgedrückte Hoffnung auf ein Einschreiten der Politik ist inzwischen der Erwartung gewichen, dass die staatlichen Stellen eingreifen. Die Märkte warten sehnlichst auf Handlungszeichen seitens der Politik", fügt Michael Hartnett, Chief Global Equity Strategist bei der Bank of America Merrill Lynch Global Research, hinzu. (jb)

Interessierte Anleger können die vollständigen Umfrageergebnisse (in englischer Sprache) hier lesen.