Die französische Fondsgesellschaft Carmignac Gestion hat die Aktienquote ihrer Fonds Patrimoine, Emerging Patrimoine und Investissement reduziert. Dahinter steckt der Versuch, diese vor den Gefahren eines schleppenden Wirtschaftswachstums der USA und den dortigen Preissteigerungen bei den Konsumgütern zu schützen, wie der englische Branchendienst Citywire meldet.

In dem aktuellen Investmentausblick des in Paris ansässigen Unternehmens schreibe Didier Saint-Georges, Mitglied des Investmentkomitees, dass die USA derzeit eine "schlechte Inflation" erleben.

"Nach unseren Schätzungen bezieht sich die bereits feststellbare Preiserhöhung in den USA in erster Linie auf lebensnotwendige Güter und ist im Jahresvergleich um 3,1 Prozent gestiegen, während die Preise von Konsumgüter nur langsam (+0,5% im Vergleich zum Vorjahr) steigen. In anderen Worten, die USA haben eine 'schlechte Inflation'", wird der Carmignac-Experte von Citywire zitiert.

Aktienquote von Carmignac Patrimoine bei 39 Prozent
Die negativen Auswirkungen, welche diese Entwicklung auf die Weltwirtschaft haben könnte, habe nun dazu geführt, dass die französische Gesellschaft im Juni die Aktienquote des 20 Milliarden Euro schweren Carmignac Patrimoine auf 39 Prozent reduzieren hat, nachdem sie im April noch bei 47,6 Prozent gestanden hat. Die Quote des 960 Millionen Euro schweren Carmignac Emerging Patrimoine sei im gleichen Zeitraum von 48 Prozent auf 34 Prozent gesenkt worden.

Für den reinen Aktienfonds Carmignac Investissements, dessen Volumen sechs Milliarden Euro groß ist, reduzierte die Gruppe den Investitionsgrad auf 90 Prozent, nach einem Hoch von 99 Prozent im April dieses Jahres. Insgesamt verwaltet Carmignac derzeit 50 Milliarden Euro, wobei mehr als die Hälfe der Mitteln (27 Milliarden Euro) in den drei oben genannten Fonds steckt.
 
Inflation wegen Kompensation für niedrige Absatzmengen
Saint-Georges habe auf Nachfrage von Citywire darauf bestanden, dass die Preiserhöhungen in den USA nicht auf von einer erhöhten Verbrauchernachfrage ausgehen, welche den Umsatz  der Firmen erhöhen würde.
 
"Es geschieht in der Abwesenheit von Lohnerhöhungen und resultiert stattdessen aus den Versuchen der Unternehmen, die niedrigen Absatzmengen durch die Erhöhung der Preise von Produkten, bei denen die Preisflexibilität nur gering ausgeprägt ist, zu kompensieren", schreibt der Carmignac-Experte laut Citywire.

"Wenn dies bestätigt wird, stellt dieses Phänomen eine weit größere Gefahr für das Wachstum als für den langfristige Preistrend dar, weil ein Anstieg der Preise von lebenswichtigen Gütern in einem wachstumsschwachen Umfeld regressiv ist und die Kaufkraft der Haushalte beschneidet", so Saint-Georges weiter.

Er füge hinzu, dass die aktuellen negativen Konsumausgaben, die für das zweite Quartal 2014 als mittelmäßig eingeschätzt werden, ein weiterer Punkt in einem Szenario seien, in dem das US-Wachstum nicht in der Lage sei zu beschleunigen und durch die kurzfristige Inflation weiter unterbrochen wird.

Peripherieanleihen ab, Bankaktien in
Im Laufe des Monats Juni, sagte Saint-Georges laut Citywire, habe die Gesellschaft auch Schritte getan, um ihre Anleihen aus den europäischen Peripheriestaaten vor dem Hintergrund von Draghis Konjunkturpläne zu reduzieren, welche den Märkten halfen, wieder auf dem richtigen Weg zu kommen.

"Unsere Bestände in europäischen Peripheriestaatsanleihen und europäischen Bankschulden profitierten von dieser Bewegung. Wir ergriffen die Gelegenheit, einen Teil unserer Gewinne aus südeuropäischen Staatsanleihen zu realisieren und gleichzeitig unsere globalen Risiken zu mindern", zitiert Citywire.

Carmignac habe auch die Investitionen seiner Fonds in europäischen Banken repositioniert, nachdem eine Anzahl von diesen, die von niedrigeren Finanzierungskosten und den anhaltenden Restrukturierungsmaßnahmen profitiert hatten, im Mai verkauft worden waren. (jb)