Marktteilnehmer sind sich einig: Das globale Wirtschaftswachstum beschleunigt sich, die Anleiherenditen steigen, Aktien sind im laufenden Jahr eine bessere Wahl als Anleihen. Viele gehen davon aus, dass der US-Dollar aufwerten wird.

Lediglich über eine mögliche Erholung der Emerging Markets herrscht Uneinigkeit. Asoka Wöhrmann, CIO der Deutsche-Bank-Tochter Deutsche Asset und Wealth Management (DeAWM), hat auf dem FONDS professionell KONGRESS in Mannheim am Mittwochnachmittag die Einschätzungen analysiert.

Das weltweite Wachstum sei tatsächlich auf Erholungskurs, sagte Wöhrmann. Für die USA erwartet DeAWM für 2014 ein nominales Wachstum von drei Prozent. Der Immobilienmarkt erhole sich, das Konsumentenvertrauen sei auf einem Fünfjahreshoch, die Arbeitslosigkeit sinke und die privaten Haushalte schwenkten von Sparen auf Konsum um. "Die Entschuldung der privaten Haushalte ist erst einmal beendet", sagt Wöhrmann. Für die Eurozone rechnet die Investmentgesellschaft für das laufende Jahr mit 0,7 Prozent Wachstum. "Wir haben in Europa starke Erholungsstorys." Spanien dürfte 2014 mit einem Leistungsbilanzüberschuss beenden, Irland ist mittlerweile wieder mit Investmentgrade bewertet. Das Fiskaldefizit werde abgebaut, die Kreditvergabe schrumpfe allerdings, sagte Wöhrmann. "Das ist immer noch destruktiv für das Wachstum." Er rechnet damit, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihre aktuelle Geldpolitik fortsetzen wird.

Weiter großzügige Liquiditätsversorgung in den USA
Die US-Notenbank Fed versuche mit ihrem Tapering, zur Normalität zurückzukehren. Die unkonventionellen geldpolitischen Maßnahmen liefen allmählich aus. "Die Zinspolitik bleibt in den USA aber insgesamt sehr locker", urteilte Wöhrmann. Der Anstieg der Anleiherenditen dürfte deshalb nur langsam vonstattengehen. "Wir glauben nicht an einen massiven Renditeanstieg."  Auch die Inflationsrate bleibe niedrig. "Die Nullzinspolitik ist ein Anker für die Zinsstrukturkurve, und sie wird uns noch lange erhalten bleiben."

Aktien sollten in diesem Umfeld tatsächlich besser abschneiden als Anleihen. Die Unternehmen im US-Index S&P 500 hätten seit der Finanzkrise fantastische Gewinnentwicklungen gezeigt. Europa hinke noch hinterher. "Die Stimmung ist aber gut, die Gewinne werden folgen", sagte Wöhrmann. "Das Gewinnwachstum in Europa wird deutlich nach oben drehen, europäische Aktien dürften outperformen." Anleger sollten kalkulierte Risiken eingehen. "Für mich ist die präferierte Anlageklasse immer noch Aktien." Im laufenden Jahr dürften es Aktieninvestoren allerdings nicht mehr so leicht haben wie 2013: Die Volatilität steige, und es seien auch Korrekturen zu erwarten. Aktien dürften aber immer noch acht bis zehn Prozent Rendite bringen. "Das ist sehr anständig. Die Bewertungen sind nicht mehr billig, aber man hat auch weniger Alternativen am Markt als 2007."

US-Dollar wird anziehen
Im Zuge des Taperings werde der US-Dollar anziehen, sofern sich das Wachstum in den USA weiter etabliert. "Man muss gute Nerven haben, aber wir mögen den US-Dollar", sagte Wöhrmann. Gegenüber dem japanischen Yen zeigte er sich deutlich skeptischer. Ebenso gegenüber Schwellenländerwährungen: Die starken Wechselkursschwankungen in Emerging Markets seien noch nicht vorbei. Der Ausblick für Schwellenländer sei generell durchwachsen. Die Aktienbewertungen seien zwar niedrig, die Gewinne hätten aber noch nicht an Momentum gewonnen. Es werde wichtiger, zwischen einzelnen Ländern, Regionen und Sektoren zu differenzieren.

Wöhrmann empfiehlt jetzt europäische und deutsche Aktien. Daneben seien Anleihen mit Zinsaufschlag und Rentenpapiere aus der Europeripherie interessant, ebenso wie der US-Dollar. Vom japanischen Yen, von den meisten Staatsanleihen und von Emerging-Markets Investments generell sollten Anleger dagegen eher die Finger lassen, sagte der DeAWM-CIO. "Es wird ein volatiles Jahr. Man muss taktisch agieren." (jg)