Der Vertriebsmanager und Fondsinitiator Malte Hartwieg steht inzwischen auch medial unter Beschuss. Es geht dabei um die geschlossenen Fonds seiner Emissionshäuser Selfmade Capital und NCI New Capital Invest, die er über seine Vertriebsplattform Dima24 verkauft hat. Sie sollen über Genussrechte und atypische stille Beteiligungen unter anderem in Immobilien in den Vereinigten Arabischen Emiraten und in Öl- und Gasvorkommen in den USA investiert haben. Seit mehr als einem halben Jahr erhalten die deutschen Anleger die versprochenen Auszahlungen ihrer Fonds nicht. Geschäftsberichte und Leistungsbilanzen veröffentlicht Hartwieg ebenfalls nicht, was den Verdacht von Anlegern und Anlegeranwälten befeuerte, dass das Kapital in Gefahr sein könnte. Der Initiator schaltete den Rechtsanwalt Werner Klumpe zur Klärung des Sachverhalts ein. In der vorigen Woche haben die Anleger Post erhalten. Sie sollen bis Ende 2014 stillhalten und weitere Recherchen abwarten. 
 
Prospektgemäße Investitionen? 
Laut Rechtsanwalt Klumpe ist das Eigenkapital der Anleger in den Selfmade Capital- und NCI-Fonds "ausnahmslos und vollständig entsprechend den prospektierten Vorgaben" investiert worden. Die Kanzlei bezieht sich bei dieser Feststellung darauf, dass die Fondsmittel wie geplant in die Investitionsgesellschaften im Ausland transferiert wurden. Diese Firmen haben bis Mitte 2013 die vorgesehenen Mittelrückflüsse an die deutschen Fondsgesellschaften geleistet. "So die uns gegebenen Auskünfte", schränkt Klumpe ein. Der für die Investitionen Verantwortliche Christian Kruppa habe im Zuge der Recherchen erklärt, dass das Eigenkapital in den Investitionen gebunden sei, die bislang noch keine Ergebnisse erzielt hätten. Die Richtigkeit und Werthaltigkeit der NCI-Investments, die Kruppa genannt haben soll, ist nicht überprüft. 
 
Hartwieg weist Verantwortung von sich
Klumpe betont, dass die Emissionshäuser Selfmade Capital und NCI , die Hartwieg gehören, lediglich für die Beschaffung des Eigenkapitals zuständig gewesen seien, während Christian Kruppa für das Investmentmanagement verantwortlich sei. Hartwieg kenne Kruppa seit "der Zusammenarbeit bei einem anderen Beteiligungsangebot". Aufgrund Kruppas "fundierte Kenntnisse und Kontakte" seien die Selfmade Capital- und NCI-Fonds entstanden. Vor diesem Engagement war Kruppa beim Emissionshaus Trend Capital tätig, das umstrittene Fonds in den Vereinigten Arabischen Emiraten aufgelegt hat und dessen Chef Frank Simon im Jahr 2013 zu einer mehrjährigen Haftstrafe wegen Betrugs verteilt wurde. 
 
Anleger tappen weiter im Dunkeln
Was mit dem Anlegergeld tatsächlich passiert ist, soll der Detektiv Medard Fuchsgruber herausfinden. Klumpes Kanzlei hat nach eigenen Angaben zu den Selfmade Capital-Fonds keine konkreten Hinweise recherchieren können. Zu den "Firmenverhältnissen und Investments" Kruppas gebe eine Rechercheergebnisse, die "ein gewisses Bild der Gegebenheiten" vermitteln. Die Kontaktaufnahme mit Kruppas Rechtsanwalt in den USA blieb nach "fruchtloser Sondaierung" ergebnislos. Nun will Klumpe rechtliche Maßnahmen prüfen.
 
Kruppa will sich davonstehlen
In dem Anlegerschreiben teilt Klumpe mit, dass Herr Kruppa vorgeschlagen habe, alle Beteiligungen direkt auf die Anleger zu übertragen und ihn aus der Verantwortung mit einer ausdrücklichen Haftungsfreistellung zu entlassen. An positiven Ergebnisse will Kruppa beteiligt werden. "Aus unserer Sicht ist der gemachte Vorschlag inakzeptabel", so Klumpe. Zunächst müsse der Manager alle Karten auf den Tisch legen und für alle Angaben Nachweise bringen. Herr Kruppa wurde daher von Klumpe mit einem Auskunftsbegehren kontaktiert. 
 
Hartwieg fordert Moratorium
Der Chef von Selfmade Capital und NCI fordert von den Anlegern, dass diese bis Ende dieses Jahres stillhalten. Dafür hat er Klumpes Rundschreiben einen Brief an die Anleger und ein Moratorium beigelegt. Sie sollen vorläufig auf Forderungen aus "Prospekthaftungs- und eventuell sonstiger Ansprüchen" gegen Hartwieg selbst, seine Firmen und die Fonds verzichten. Im Gegenzug stellt Hartwieg ohne Anerkennung einer Rechtspflicht die Finanzierung der Fondskosten und der Kosten für den Detektiv Fuchsgruber sicher. Anleger sollen bislang Forderungen über 12,1 Millionen Euro angemeldet. Unterdessen fordert Klumpe die Anlegeranwälte zur Zusammenarbeit auf. Hartwieg droht den Anlegern mit der Insolvenz der Fonds für den Fall, dass die berechtige Forderungen durchgesetzt und die Gesellschaften zur Zahlung verpflichtet werden. 
 
"Vermeintlicher Alleskönner"
FONDS professionell hat bereits im vergangenen Jahr über das Firmengeflecht von Malte Hartwieg berichtet. Er ist nicht nur Eigentümer des Vertriebsnetzes Dima24, das nach eigenen Angaben vor einem Relaunch steht, und Partner von BIT-Vorstand Sascha Sommer in der Vertriebsgesellschaft Krüger Sachwert. Ihm gehören auch die Fondshäuser und Investmentfirmen Selfmade Capital, NCI, Euro Grundinvest und Panthera Asset Management.  Die Euro Grundinvest-Kapitalanlagen werden auch in Österreich verkauft.
 
"Schwerer als fragwürdiges Marketing wiegt die Intransparenz der Hartwieg-Emissions­häuser. Die Verkaufsprospekte der Fonds sind leserfreundlich, aber anlegerfeindlich unübersichtlich und inhaltlich substanzlos. Außerdem veröffentlicht Hartwieg für seine Selfmade- und NCI-Fonds keine aussagekräftigen Leis­tungsberichte, obwohl das im Markt der ­geschlossenen Fonds seit Jahren Branchen­standard ist", berichtete FONDS professionell in der Ausgabe 4/2013. (ae)