Gold habe sich von allen Edelmetallen am stärksten von den realwirtschaftlichen Anwendungen gelöst, schreibt Karl-Heinz Thielmann vom Analysehaus Long-Term Investing in seinem aktuellen Kommentar. Nur noch zirka zehn Prozent des jährlichen Verbrauchs erfolgten in industriellen Hightech-Anwendungen. Hauptkäufer von Gold seien derzeit Anleger (zirka 25 Prozent), die direkt in Goldmünzen oder Barren investieren, die Schmuckverarbeitung (zirka 50 Prozent) sowie Zentralbanken, die Gold als Währungsreserve erwerben. Bei allen drei Hauptkäufergruppen seien die Schwellenländer – insbesondere China und Indien – dominierend. Indexfonds (ETFs) seien aktuell am Goldmarkt kaum aktiv.

Im vergangenen Jahr kam es zu starken Goldverkäufen durch ETFs. Diese sowie ein deutlicher Rückgang der Nachfrage aus dem von wirtschaftlichen Problemen belasteten Indien seien dafür verantwortlich gewesen, dass das Interesse an Gold weltweit zurückging. Weil gleichzeitig die Förderung in Minen stieg, sei es nicht verwunderlich, dass der Preis einbrach.

Indien und China könnten das Ruder herum reißen
Die Analyse des langfristigen Kursverlaufes von Gold zeige den ausgeprägt zyklischen Verlauf des realen Preises mit einer 30- bis 40-jährigen Periodendauer. Auffällig sei weiterhin, dass Gold nach 1920 jeweils seine Höhepunkte zu ausgeprägten weltwirtschaftlichen Krisenzeiten hatte, während der Preis in Erholungsphasen deutlich zurückging. Insofern könne man beim Verlauf des realen Goldpreises in den vergangenen 95 Jahren gewissermaßen von einem Angst-Zyklus sprechen: Je größer die allgemeine Angst vor einem Zusammenbruch der Weltwirtschaft, umso höher wurde Gold bewertet.

Das Verlaufsmuster des langfristigen Zyklus deute derzeit auf einen weiteren deutlichen Rückgang hin. Dafür spreche zudem, dass 2013 trotz fallender Preise die Goldförderung ausgeweitet wurde, sodass derzeit tendenziell ein Überangebot herrsche. Andererseits bestehe die Möglichkeit, dass der bisherige Zyklus aufgrund der wachsenden wirtschaftlichen Bedeutung von China und Indien durchbrochen werde. Voraussetzung wäre aber eine deutliche Belebung des Wirtschaftswachstums in diesen Ländern, was speziell in Indien derzeit noch relativ unwahrscheinlich erscheine. (cf)