Börsengehandelte Indexfonds gewinnen bei Privatinvestoren an Bedeutung. "Retail-Anleger sind zu einem wesentlichen Treiber des Wachstums geworden", sagte David Wenicker, Leiter des Wealth- und Retail-Vertriebs in Deutschland bei der Blackrock-Tochter iShares, auf einer Pressekonferenz in Frankfurt. "Wir bemerken eine deutlich steigende Nachfrage." Bislang erfuhren Exchange-Traded Funds (ETFs), welche die Entwicklung eines Index widerspiegeln und einfach über die Börse gehandelt werden können, vor allem bei institutionellen Investoren an Zuspruch.

Ein wesentlicher Treiber des Wachstums sind regelmäßige Einlagen. Wenicker zufolge fließen bei den iShares-Partnern jeden Monat rund 30 Millionen über Sparpläne in ETFs. Die Zahl der Sparpläne habe sich von 130.000 Ende 2014 auf aktuell rund eine Viertelmillion nahezu verdoppelt. Bei der Direktbank ING-Diba machen ETFs rund 30 Prozent der derzeit 116.000 Fondssparpläne aus. "Das Wachstum bei Sparplänen stammt fast ausschließlich aus ETFs", sagt Martin Krebs,  der bei der ING Diba den Bereich Investmentlösungen für Privatkunden verantwortet.

Bekannte Indizes gefragt
Auch Selbstentscheider greifen zunehmend zu den Indexfolgern. So erreichen ETFs bei den Fondsdepots der ING-Diba-Kunden ein Volumen von 2,54 Milliarden Euro, was einem Anteil von 29 Prozent entspricht. Aktiv verwaltete Fonds erreichen ein Volumen von 6,29 Milliarden Euro. Ein Großteil des Geldes fließt in Aktien-ETFs. "Nischenmärkte, aber auch Renten-ETFs spielen hier praktisch keine Rolle", berichtet Krebs. Das meiste Geld fließe in Produkte auf Dax, MDax sowie den MSCI World.

Auch bei Vermögensverwaltern in der Beratung wohlhabender Kunden spielen ETFs Wenicker zufolge eine größere Rolle. Daneben nutzen auch neue Spieler wie Robo-Berater diese Instrumente. Der Online-Vermögensverwalter Scalable Capital etwa stellt individuelle Portfolios gemäß der Risikoneigung der Kunden aus ETFs zusammen und gewichtet diese auch laufend um. "ETFs werden nach wie vor aber nicht verkauft, sondern gekauft", sagt Erik Podzuweit, Mitgründer und Co-Vorstandschef von Scalable Capital. Die meisten Kunden seiner Plattform wüssten genau, was ETFs sind und würden sich bewusst für diese Anlageform entscheiden. Da die ETF-Anbieter keine Provisionen zahlen, fehlt für viele Vertriebe der Anreiz und die wirtschaftliche Grundlage, diese Produkte den Kunden anzubieten. (ert)


Mehr über die wachsende Rolle von ETFs im Retail-Banking lesen Sie im Heft 2/2016 von FONDS professionell, das Ende Mai erscheint.