Die großen Analysehäuser, von Barclays über J.P. Morgan bis UBS, sind sich einig: Im Jahr 2014 wird es für Anleger keine Alternative zu Aktien geben, von Anleihen sollten sie besser die Finger lassen. Ganz so langweilig und vorhersagbar werde das Jahr 2014 allerdings nicht, sagte Luca Pesarini am Mittwochvormittag auf dem FONDS professionell KONGRESS in Mannheim. Pesarini gilt als Star der Branche, der von ihm gemanagte Fonds Ethna-Aktiv E verwaltet 5,9 Milliarden Euro und zählt seit Jahren zu den erfolgreichsten Produkten im Boom-Segment der verwaltenden Mischfonds. In diesem Jahr erwarte Pesarini ein geringes Wirtschaftswachstum oder sogar Stagnation. Daneben rechnet er mit einer niedrigen Inflation, selbst eine Deflation sei nicht ausgeschlossen: "Wenn der Euro im Zuge der Abwertung von Yen und US-Dollar noch stärker wird, könnte es dazu kommen", sagte er. Die Notenbanken würden ihre expansive Geldpolitik fortsetzen, vielleicht sogar bis zu zehn Jahre lang. "Die Niedrigzinsen werden sich nicht bewegen."

Anleger investieren ihr Geld angesichts der stetig strömenden Liquidität weiterhin in Aktien. "Dabei steigen die Gewinne der Unternehmen nicht", erklärte Pesarini: Im vergangenen Jahr legten die Aktienindizes S&P 500, Dax und EuroStoxx50 allesamt zu, was zu einem Anstieg der Bewertungen von mehr als 30 Prozent geführt habe. "Währenddessen sind die Unternehmensgewinne sogar gesunken", betonte Pesarini. Die Unternehmen seien also nicht mehr wert, obwohl Anleger mittlerweile mehr für ihre Aktien bezahlten. Hier sei ein klarer Zusammenhang zu den aktuellen Niedrigzinsen erkennbar. Die Zinspolitik der Notenbanken habe in den vergangenen Jahren förmlich zu einem "Drogenrausch" an den Märkten geführt, die mit der Droge Liquidität geflutet wurden, sagte Pesarini. Der Weg in die Abhängigkeit habe bereits 1987 begonnen, als Alan Greenspan Vorsitzender der US-Notenbank Fed wurde.

Notenbanken haben die Finanzkrise mit ausgelöst
Greenspan habe auf eine strikte Trennung von Staat und freier Marktwirtschaft geachtet, habe aber nach dem 11. September 2001 den Leitzins erstmals radikal gesenkt. Das habe zu überbordender Kreditvergabe der Investmentbanken an bonitätsschwache Bürger und zu massiven Fehlallokationen geführt. Greenspan habe seinen Fehler im Jahr 2004 erkannt und die Zinsen angehoben – das habe Jahre später zum Zusammenbruch großer Investmentbanken und letztlich zur Finanzkrise geführt. "Der Strukturierungswahn der Notenbank hat die Finanzkrise mit ausgelöst", so Pesarini.

Greenspans Nachfolger Ben Bernanke habe es als einzige Lösung betrachtet, die Zinsen erneut zu senken und die Märkte mit Liquidität zu fluten. Die exzessive Geldpolitik der Zentralbanken, auch in Europa, habe indes zu einer Illusion des billigen Geldes geführt: "Das viele Geld findet nicht den Weg in die Realwirtschaft", ist Pesarini überzeugt. Um das Wirtschaftswachstum voranzutreiben, brauche es mehr als dauerhaft niedrige Zinsen, das zeige das Beispiel Japans. Pesarini fordert unter anderem Arbeitsmarktreformen, Strukturreformen, den Mindestlohn und ein Ende des "Globalisierungswahns", um die Weltwirtschaft dauerhaft zu stabilisieren. (aj)