Mancher Sparer wähnt sich in falscher Sicherheit. Sein Guthaben ist für den Fall, dass seine Hausbank dafür Strafzinsen von ihm verlangt und so sein Vermögen angreift, durch die europäischen Einlagensicherungssysteme nicht geschützt. Dies zeigt die Antwort des Finanzmarktkommissars der Europäischen Union (EU), Jonathan Hill, auf eine Anfrage aus dem Europäischen Parlament.

Die Richtlinie über Einlagensicherungssysteme (DGSD) beschäftige sich "ausdrücklich nicht mit der Frage von Negativzinsen auf Einlagen", schreibt Hill in seiner Antwort, die FONDS professionell ONLINE vorliegt. Sollte eine Bank einen Negativzins erheben, so würde die sich daraus ergebende Minderung des Einleger-Kontoguthabens durch die DGSD-Garantie nicht ausgeglichen. Aber: Es stehe dem Einleger "selbstverständlich frei, gegebenenfalls seine Gelder abzuheben", heißt es in dem Schreiben weiter.

Gefahr eines "Bank Runs"
"Angesichts niedriger und teilweise negativer Zinsen wird immer wieder auch über die Einführung von Negativzinsen auf Spareinlagen durch Geschäftsbanken spekuliert", sagt der Europa-Abgeordnete Fabio de Masi (Die Linke). "Daher habe ich mich gefragt, ob dann die Einlagesicherung greift", erklärt er die Beweggründe für seine Anfrage. Die leicht flapsige Antwort hält der Politiker für bedenklich. Immerhin berge sie für den Fall, dass Strafzinsen, die von Firmenkunden bisweilen bereits bezahlt werden, auch bei herkömmlichen Giro- und Sparkonten Schule machen, die Gefahr eines europaweiten "Bank Runs".

Der Bundesverband deutscher Banken in Berlin reagiert auf Nachfrage von FONDS professionell ONLINE ebenfalls sehr gelassen. Die Einlagensicherung greife nur bei Bankeninsolvenzen und habe mit Negativzinsen nichts zu tun. Darüber hinaus sei dies in Deutschland ohnehin kein Thema, da es für Privatanleger keine negativen Zinssätze gebe.

Zur Erinnerung: Die europäischen Einlagensicherungssysteme schützen Spareinlagen grundsätzlich bis zu einem Betrag von 100.000 Euro pro Kunde und Institut. In Deutschland wurde die EU-Richtlinie über Einlagensicherungssysteme vom 14. April 2014 im Einlagensicherungsgesetz umgesetzt. (am)