Die Finanzhilfen, mit denen die US-Regierung den heimischen Versicherer AIG stützt und vor dem Kollaps bewahrte, kommen offenbar auch europäischen Finanzinstituten zu gute - darunter der Deutschen Bank, der Schweizer UBS, der Royal Bank of Scotland, Société Générale, BNP Paribas, Barclays, Credit Suisse, HSBC und Banco Santander. Auf dem US-Heimatmarkt erhielten zudem unter anderem auch Goldman Sachs und die Bank of America Geld von AIG, sowie auch Merrill Lynch, JPMorgan Chase und Morgan Stanley.

Insgesamt habe AIG bisher mehr als 90 Milliarden Dollar (rund 94 Milliarden Dollar) von den staatlichen Rettungszuschüssen an diverse Banken, Unternehmen und Fonds verteilt, die Geschäftspartner des Instituts seien, wie der Versicherer am Sonntag Abend aus Eigeninitiative heraus offenlegte - und damit rund die Hälfte der Gelder, welche die US-Regierung bisher in AIG gepumpt hat, den sie bereits mehrfach vor dem Aus gerettet hat.

Nutznießer Deutsche Bank

Zu den größten Nutznießern des Rettungspakets für AIG zählt die Deutsche Bank, die von dem Versicherer zwischen September und Dezember 2008 insgesamt 11,8 Milliarden Dollar (9,1 Milliarden Euro) an Entschädigungen erhielt, wie aus einer von AIG veröffentlichten Liste der entschädigten Geschäftspartner innerhalb dieses Zeitraums hervorgeht. Damit kassierte sie nach Goldman Sachs (12,9 Milliarden Dollar) und der französischen Société Générale (11,9 Milliarden Dollar) die höchste Summe. Drei weitere deutsche Institute, die direkt von der US-Finanzhilfe profitierten, seien zudem die Dresdner Bank (2,6 Milliarden Dollar), die DZ Bank (1,7 Milliarden Dollar) und die Landesbank Baden-Württemberg (100 Millionen Dollar) gewesen, die andernfalls höhere Summen hätten abschreiben müssen.

Transparenz als Mittel zum Zweck

Die Veröffentlichung der Liste - die bis dahin unter Verschluss gehalten worden war - begründete AIG mit der Notwendigkeit, "bei der Verwendung öffentlicher Gelder ein hohes Maß an Transparenz zu bewahren". Sie sei mit der US-Zentralbank abgesprochen worden.

Umstrittene Rettungsaktion

Die Rettung von AIG wurde mit Hilfe von Steuergeldern finanziert und ist in den USA aus diesem Grund heftig umstritten. Regierung und US-Notenbank rechtfertigten den Schritt damit, dass eine Pleite verheerende Folgen auf das internationale Finanzsystem gehabt hätte. Immerhin bietet der AIG-Konzern Versicherungsleistungen für rund 100.000 Kunden in 130 Ländern an.

Im Gegenzug für die staatlichen Kapitalspritzen war AIG unter staatliche Kontrolle gestellt worden, wobei der Staat mittlerweile rund 80 Prozent an AIG hält. Der Versicherer hatte 2008 den größten Verlust der US-Wirtschaftsgeschichte eingefahren und verlor allein im vierten Quartal 2008 rund 61,7 Milliarden Dollar (49 Milliarden Euro) und sah sich am Wochenende zudem scharfer Kritik ausgesetzt, nachdem bekannt wurde, dass AIG trotz Existenznöten für 2008 mindestens 165 Millionen Dollar an Manager-Boni gezahlt hat. (ir)