Mit einem eigens gegründeten Institut, das sich um die Belange und Probleme ausgesuchter IFAs kümmern soll, will Ex-Metzler-Partner Hartmut Petersmann nicht nur eine Interessengemeinschaft für die Berater-Elite in Deutschland aufbauen. "Über einen eigenen, strengen Kodex verpflichten sich die Mitglieder auch auf eine Reihe von strengen Regeln, so Petersmann, der die Befindlichkeiten im Bereich der IFAs sehr gut aus seiner Zeit als Verantwortlicher für die Fondsplattform Metzler Fund Xchange (MFX) kennt. "Der zentrale Aspekt dabei ist ein ausschließlich auf die Interessen der Kunden ausgerichtetes Handeln." Damit das nicht nur ein hehres Bekenntnis bleibt, will Petersmann die Zugehörigkeit eines IFAs zu dem neuen Netzwerk in Form eines Gütesiegels nach außen sichtbar dokumentieren.

Angesichts eines in weiten Teilen desolaten Images des freien Beraters gelte es, das verloren gegangene Vertrauen und die Anerkennung der Kunden zurückzugewinnen. "Das Image der unabhängigen Finanzberater in Deutschland könnte schlechter nicht sein", resümiert Petersmann. "Zudem zermürben die auch künftig noch weiter zunehmenden Erfordernisse aus der Regulierung des Beratermarktes den Einzelnen zusehends." Die Neugründung sieht Petersmann dabei keineswegs als einen weiteren Maklerpool oder das nächste Haftungsdach, sondern als ein ausschließlich im Interesse des Finanzdienstleisters und seiner Kunden agierendes Beratungshaus.

Nachwuchs-Förderung
Gleichzeitig soll die Neugründung auch helfen, für einen nennenswertem Nachwuchs innerhalb der Branche zu sorgen, denn daran fehle es aufgrund von mangelnden Perspektiven in Bezug auf das Berufsbild des freien Finanzdienstleisters. "Der fehlende Nachwuchs ist schließlich auch ein Grund, weshalb die Kunden sozusagen parallel zu ihrem Berater immer älter werden", so Petersmann. "Wenn dieser Trend noch weitere zehn bis 15 Jahre anhält", so der Institutsgründer, "sind die Bestände abgeschmolzen, potentielle Käufer oder Geschäftsnachfolger wird es nicht geben, und auch die eigene Altersversorgung des Beraters geht mit dem Lebenswerk dahin."

Mit seinem Institut will der in Essen Geborene diesem Trend entgegenwirken. "Über die Dokumentation der eigenen Beratungsqualität durch unser Gütesiegel hinaus wollen wir für tragfähige Nachwuchs- und Nachfolgeregelungen sorgen", erklärt Petersmann. "Dafür wollen wir die Besten der Branche zu eben dieser Interessengemeinschaft vereinen und zum leuchtenden Beispiel für andere machen."

Ein Mittel sieht Petersmann im Aufdecken von augenscheinlichen Missständen in der Beraterbranche beziehungsweise in dem Anspruch, neue Skandale aktiv verhindern zu helfen. "Wir sind dabei auf Augenhöhe mit entsprechenden Produktgebern, verstehen uns aber als alles andere als deren verlängerte Werkbank", so Petersmann. Vielmehr will er mit seinem Angebot für faire und transparente Produkte sorgen. Ein weiteres Ziel sei, den Kunden der Berater nicht nur theoretisch ein den institutionellen Investoren vergleichbares Investieren zu ermöglichen, sondern auch einen vergleichbare Kostenstruktur von Produkten. "Aus meiner Sicht spricht nichts gegen einen solchen Ansatz", ist Petersmann überzeugt. "Es muss nur jemand anpacken, und genau das wollen wir als unabhängiger Beratungspartner tun."

Prominente Unterstützung
Offenbar hat der Ex-Metzler-Partner, der in den vergangenen Monaten quer durch Deutschland getourt ist, bereits eine ganze Reihe von Beratern hierzulande von seinem Plan überzeugt. Er nennt die Zahl von immerhin gut 70 freien Finanzdienstleistern, die bereits ihr Interesse an einer Mitgliedschaft in dem neuen elitären Club signalisiert haben. Unterstützung gibt es auch von ganz anderer Seite. Björn Drescher und sein Team von der Beratungs- und Analysegesellschaft Drescher & Cie. GmbH in Sankt Augustin bei Bonn haben bereits ihr Interesse an einer Zusammenarbeit im Bereich der Produktanalyse bekundet. Ebenso hat sich das Analysehaus Morningstar bereit erklärt, sich für die Interessen des Instituts stark zu machen.

FONDS professionell wird dem Angebot des Petersmann-Instituts, das derzeit noch in seiner Gründungsphase steckt, in der kommenden Magazinausgabe genauer auf den Zahn fühlen. Hartmut Petersmann zeigt sich davon wenig beeindruckt und ist überzeugt: "Wir werden die Branche neu definieren und sehen uns und unsere angeschlossenen Berater nun weit vorne in der Rangordnung – nicht hinten, wie das für die meisten IFAs derzeit der Fall ist. Wenn demnächst der Kunde wieder zufrieden und der Nachwuchs stolz auf seine Tätigkeit sein werden, dann hat die unabhängige Finanzberatung die Chance auf einen Platz in der Gesellschaft, den sie verdient." (hh)