Die Skepsis, was die Zukunftsfähigkeit des Bankensektors anbelangt, zeigt sich nirgends so deutlich wie an der Börse. Die Bewertungen der im Aktienindex Stoxx-600-Banks enthaltenen Geldhäuser sind so niedrig wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Aus Sicht von Jonathan Fearon, Investment Director beim Fondsanbieter Standard Life Investments, besteht eigentlich kein Grund für diesen extremen Pessimismus.

So gelinge es einigen Banken zunehmend, sich an das neue Niedrigzins-Umfeld anzupassen, sagt Fearon. Vor allem die zunehmende Digitalisierung sei in dem Kontext nicht nur Fluch, sondern auch Segen. Vorbilder aus anderen Ländern zeigten, wohin die Reise im Idealfall gehe.

Durch die Reduzierung ihrer Filialnetze hätten beispielsweise die nordischen Banken, Vorreiter in diesem Bereich, ihre Cost-Income Ratio signifikant verbessert. Auch niederländische Banken könnten die Digitalisierung mittlerweile verstärkt dazu nutzen, um Cross-Selling zu steigern und in den französischen Markt vorzudringen.

Deutsche Banken haben den Schuss noch nicht gehört
Der Blick ins Innere deutscher Banken und Sparkassen zeigt allerdings: Von einer gelebten Bereitschaft, die digitale Herausforderung wirklich anzunehmen, kann keine Rede sein. "Banken und Sparkassen in Deutschland sind derzeit nicht reif für die Digitalisierung", lautet das Fazit einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung PPI, für die 130 Angestellte bei Banken und Sparkassen befragt wurden.

So gehörten IT-Systeme zur Unterstützung von Arbeitsabläufen an jedem dritten Schreibtisch noch nicht zum Standard. "In Zeiten, in denen sich die Märkte immer dynamischer entwickeln und den Banken mit spezialisierten Fintechs neue Konkurrenz erwächst, haben die Institute keine Zeit zu verlieren", sagt Dirk Dose, Experte für Prozessautomatisierung bei PPI. Flexibel und effizient sollte die Auftragsbearbeitung ablaufen, damit man am Markt bestehen kann. "Doch die Aussagen der Bankangestellten zeigen: Die Realität sieht anders aus", so Dose.

Automatisierung der Auftragsbearbeitung durch IT-Systeme
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Quelle: PPI

Freie Bahn für Fintechs
Den größten Nutzen einer Automatisierung von Arbeitsabläufen sehen die Angestellten noch am ehesten in den Bereichen Electronic Banking, Backoffice und Buchhaltung. Doch vor allem in der Wertpapier- und Vermögensberatung, in der Anlegerbetreuung und in der Depotüberwachung – also genau jenen Bereichen, in denen besonders viele Fintechs zum Angriff auf die etablierten Anbieter blasen –  fehlt es den Bankangestellten an Fantasie, wie ihre tägliche Arbeit dank Digitalisierung effizienter und kundenorientierter werden könnte. (ps)