Die Immobilienbranche schwebt auf Wolke 7. So niedrig können die Renditen gar nicht sein, dass die Investoren nicht weltweit jeden Tag Milliarden in Immobilien investieren. Wegen des niedrigen Zinsniveaus akzeptieren die Anleger auch Renditen unter drei Prozent. Die Hauptsache ist, dass der Spread zwischen Immobilien- und Zinsertrag groß genug ist. Mit anderen Worten: An der Immobilie führt derzeit kein Weg vorbei. Das war auf der Gewerbeimmobilienmesse "Expo Real", die Anfang dieser Woche in München stattgefunden hat, deutlich zu spüren.

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"Europäische Märkte auf gutem Weg"
Die Stimmung unter den Ausstellern und Besuchern war ausgesprochen gut. Schließlich lässt sich in der Immobilienbranche im Allgemeinen derzeit gutes Geld verdienen. Und im Speziellen trifft das auf Verkäufer und Projektentwickler zu. Aufgrund der hohen Nachfrage durch Investoren aus dem In- und Ausland können sie an der Preisschraube drehen. Jan Linsin, Head of Research bei CBRE Deutschland, formulierte in einer Diskussion vorsichtig: "Insgesamt befinden sich die europäischen Märkte auf einem guten Weg."

Gleichwohl haben einige Marktteilnehmer in ruhigen Minuten ein paar Sorgenfältchen auf der Stirn. Weil viel mehr Kapital im Markt ist als durch Immobilienangebot abgedeckt werden kann, kaufen Investoren einerseits in einem enormen Wettbewerb. Wer nicht sehr schnell handelt und eine halbe oder eine ganze Jahresmiete draufzulegen bereit ist, kommt sehr oft nicht zum Zug. Egal, wie teuer die Immobilie auch ist, sie wird im gegenwärtigen Marktumfeld immer einen Käufer finden.

Kapitalflut macht Immobilien noch teurer
Andererseits sind neue Projekte durch laufend steigende Kosten etwa für die Grundstücksanschaffung und die Errichtung des Gebäudes teuer geworden. Das erhöht vor allem im Core- und Core-Plus-Segment den Druck auf die Margen der Projektentwickler und auf die Renditen für die Investoren. "Es ist sehr viel Geld im Markt und es wird wegen des niedrigen Zinsniveaus noch mehr in den Markt kommen. Deshalb werden die Immobilien nicht billiger werden", meint Linsin. Er warnte aber auch davor, dass die Investoren die Risiken von Immobilieninvestments nicht außer Acht lassen dürfen.

Der Andrang auf die "Expo Real" war groß. Die Messe München zählte nach eigenen Angaben insgesamt 37.857 Teilnehmer aus 74 Ländern. Die Teilnehmerzahl stieg im Vergleich zum 2,6 Prozent und setzte sich aus 18.985 Fachbesuchern und 18.872 Unternehmensrepräsentanten zusammen. Der internationale Anteil der Fachbesucher lag bei 28 Prozent. Die meisten ausländischen Besucher kamen aus Großbritannien, Niederlande und Österreich. Die Zahl der Aussteller nahm im Jahresvergleich von 1.655 au 1.707 zu. (ae)