Das Gros der Marktteilnehmer agiert weitaus weniger rational, was ihre Entscheidungsfindung angeht, als die Wirtschaftstheorie annimmt. Die Verhaltensökonomik berücksichtigt diese Irrationalität. Mit ihrer Prospect-Theorie forderten die Psychologen Daniel Kahneman und Amos Tversky 1979 die traditionelle Wirtschaftstheorie heraus. Diese Theorie geht davon aus, dass Personen in Situationen geprägt durch Finanzrisiko mehr um eine Veränderung ihres Wohlstands besorgt sind als mit der letztendlichen Höhe ihres Vermögens. Infolgedessen könnten sie entweder vorsichtiger oder zuversichtlicher sein, als die statistische Wahrscheinlichkeit es verlangen würde. Sie schätzen zudem regelmäßig die Erfolgs- oder Verlustchancen falsch ein.

"Aber wissen Sie, wem wir die Schuld dafür geben können? Dem Corpus amygdaloideum – dem Mandelkern. Das ist ein kleiner, aber oft aktiver Bereich im Gehirn mit der Funktion eines Frühwarnsystems, der Botschaften der Sorge und Furcht aussendet als Warnung vor drohenden Gefahren durch abstraktere Ursachen – beispielsweise Konkurrenz, Stress oder negative Schlagzeilen. Und die Aktivität des Mandelkerns korreliert stark mit den fünf häufigsten auftretenden Fehlern von Investoren", kommentieren die Experten von Franklin Templeton Investments.

  • Verlustaversion: Verlustschmerz wiegt schwerer als Freude über Gewinn
    Seit 2008 lässt sich die Tendenz der Verlustaversion vieler Investoren feststellen, die nicht bereit sind, in Aktien zu investieren. Stattdessen bevorzugen sie Sparvehikel mit niedriger Rendite, die sogar nach Berücksichtigung der Inflation einen negativen realen Return erzeugt.
  • Verankerung: Die Vergangenheit festhalten
    Bei der Verankerung handelt es sich um eine Tendenz, die den Fokus auf eine frühere Entscheidung als Input für die künftige Entscheidung unter Ausschluss anderer Erwägungen legt. Starke Kursgewinne oder -verluste verursachen daher häufig Unbehagen, da die Kurse außerhalb der Ankerbandbreite liegen. Ein Grund, aus dem Investoren bei Marktschwankungen derartig nervös reagieren.
  • Herdentrieb: Wir neigen dazu, der Masse zu folgen
    Der Herdentrieb ist ein normales menschliches Verhaltensmuster und gelegentlich sogar vorteilhaft. Der Herdentrieb kann allerdings der Vorläufer für Spekulationsblasen sein. Was als natürliche Tendenz beginnt, am Wachstumsweg eines Unternehmens teilzuhaben, ist dafür bekannt, in tragischen Verlusten zu enden. Der Grund: Die Euphorie explosiver Kurssteigerungen unterhöhlt das Urteilsvermögen der Investoren.
  • Verfügbarkeitsfehler: Die jüngsten Informationen sind am relevantesten
    Der Verfügbarkeitsfehler ist der Auslöser für die Verankerung. Anstatt alle relevanten Informationen vor der Entscheidung zu analysieren, neigen Personen, die dem Verfügbarkeitsfehler unterliegen, sich auf irgendwelche Informationen zu verlassen. Sie sind leicht wieder ins Gedächtnis zurückzurufen und bei ihnen handelt es sich um die jüngsten oder emotional geladene Informationen. Verfügbarkeitsfehler können eine Überreaktion der Investoren auf die Marktlage verursachen, ganz gleich ob positiv oder negativ.
  • Mentale Buchführung: Der Wert des Geldes variiert entsprechend der Umstände
    Der Begriff "mentale Buchführung" wurde durch Richard Thaler, den Pionier der Behavioral Finance, geschaffen. Damit wird beschrieben, wie Personen unterschiedlich mit Geld umgehen, was abhängig davon ist, wo es herkommt, wo es verwahrt und wie es ausgegeben wird. Viele Investoren bedienen sich der mentalen Buchführung für ihre Portfolios, indem sie bestimmte Anlagen für den Ruhestand festlegen, etwas mehr Liquidität für die kontrollierte Vermögensbildung halten und einen verhältnismäßig kleineren Betrag "zum Spielen" für Anlagen mit hohem Risiko und hoher Rendite zur Verfügung stellen. Doch diese Neigung zur Segmentierung kann auch eine dunklere Seite haben. Investoren können ungerechtfertigte Risiken mit ihrem eigenen Geld eingehen, sind aber unterdessen äußerst vorsichtig mit einem Erbe. Anstatt eine Rückerstattung vom Finanzamt als Teil der Einnahmen anzusehen, die für das Sparen und Anlegen bestimmt sind, betrachten sie diesen Betrag als "gefundenes Geld" und buchen damit einen Urlaub.