Anleger und deren Berater sollten ihre Aktieninvestments auf den Prüfstand stellen. Die Konjunktur in der Eurozone droht einzubrechen, EZB-Chef Mario Draghi kann die Konjunkturerwartungen der Investoren nicht mehr mit pathetischen Worten ("Whatever it takes") beeinflussen. Zu diesem Ergebnis kommen die Experten von sentix in ihrem Kommentar anlässlich der Veröffentlichung des aktuellen "sentix Konjunkturindex".
 
Lageindex: Stärkster Einbruch aller Zeiten
Das Konjunkturbarometer für Euroland Gesamt ist im September das zweite Mal in Folge gefallen und brach um 12,5 auf minus 9,8 Punkte ein. Das ist der der niedrigste Stand seit Juli 2013. Da sowohl die Lage- als auch die Erwartungskomponente Gesamtindex unter die Nulllinie gefallen sind, signalisiert der Indikator zudem, dass die Wirtschaft der Eurozone zurück in die Rezession gefallen sei (siehe Tabelle eins unten).
 
An den Zahlen ist laut sentix zunächst der Rückgang des Index "Lage" besonders bemerkenswert. Denn dieser ist mit 17,25 Punkten der stärkste Einbruch seit Einführung des sentix Konjunkturindex im Jahr 2003 überhaupt. "Es hat hier eine enorme Ernüchterung unter den Anlegern vor dem Hintergrund des Ukraine-Konflikts sowie der beschlossenen und angedachten Wirtschaftssanktionen stattgefunden. In diesem Licht erscheint dann auch die weiterhin sehr hohe Arbeitslosenquote der Eurozone in Kombination mit der rekordniedrigen Inflation wieder bedrohlicher", kommentiert Sebastian Wanke, Senior Analyst bei sentix.
 
Erwartungen geben deutlich nach
Auch die weiter deutlich nachgebenden Konjunkturerwartungen der Anleger für Euroland geben Anlass zur Sorge. "Auffällig ist dass sich die Entwicklung im Zuge einer merklich nach unten korrigierten Lagebeurteilung vollzieht und weil erst am letzten Donnerstag die EZB abermals neue Maßnahmen ergriffen hat. In der Vergangenheit hatte Mario Draghi stets die Anlegererwartungen an die Konjunktur nach oben drehen können, nun hat die EZB offensichtlich ihr Pulver bezüglich der Steuerung dieser Erwartungen verschossen", erklärt Wanke.
 
Da in politische schwierigen Zeiten (Ukraine, Syrien et al) die Geldpolitik kaum wirtschaftsfördernd wirkt, müsste die Fiskalpolitik beherzt einspringen. Doch eine solche ist laut sentix momentan kaum möglich, da viele Staatshaushalte in Euroland noch nicht konsolidiert sind und wichtige Reformen zum Teil noch ausstehen. Anleger stehen höchstwahrscheinlich vor schwierigen Zeiten... (aa)
   

1410172212.jpgDie Ergebnis-Tabelle für die Euroland-Konjunktur für den Monat September 2014 zeigt, dass die Einschätzung der aktuellen "Lage" implodiert. Auch die Erwartungen gehen stark zurück.
 

1410172233.jpgBeim sentix Konjunkturindex für Euroland klingeln die Alarmglocken: Sowohl die Lage (blau) als auch die Erwartungen (rot) gehen in den Sturzflug über. Quelle: sentix