Unter der Überschrift "Wirtschaft gerettet, Sparer enteignet?" beleuchteten Hans Werner Sinn, Präsident des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung, und Andrew Weir, Fondsmanager des Fidelity Rentenanlage Klassik, die strukturellen wirtschaftlichen Probleme in Europa und der Welt und deren Auswirkung auf Finanzmärkte und Sparer. Auf die von Moderator Jörg Moberg gestellte Eingangsfrage "Was passiert mit dem Geld der Sparer?" entgegnete Sinn, das wisse auch er nicht endgültig zu sagen, allenfalls dass es nichts Gutes sei.

Dennoch fand der ifo-Chef zu Beginn seines Referats zunächst durchaus ermutigende Worte. Insgesamt habe sich das Klima der Weltwirtschaft deutlich verbessert, erklärte Sinn, im Grunde könne die Situation sogar gar nicht besser sein. Darauf deute nicht nur der ifo-Indikator für das Weltwirtschaftsklima hin, auch die Wachstumsprognose des Internationalen Währungsfonds (IWF) sei deutlich besser als für das Vorjahr und liege sogar leicht über dem Durchschnitt der letzten Jahrzehnte. Die USA sieht Sinn sogar am Beginn eines Aufschwungs, auch wenn sich das Produktionsniveau immer noch auf einem deutlich tieferen Stand im Vergleich zum Jahr 2006 befinde. Auch die Immobilienkrise sei offenbar überstanden, zumindest würden die jüngsten Daten zur Neubauaktivität eine gewisse Belebung signalisieren.

Plötzliches Krisenphänomen in den Schwellenländern 
Was die Emerging Markets angeht, würden Länder wie China zwar immer noch erfreuliche Wachstumsdaten aufweisen, Sorgen bereite allerdings das vor kurzem aufgetretene "plötzliche Krisenphänomen" mit dem Absturz der türkischen Lira als deutlichstem Signal. "Ob wir kurz vor einer großen Flucht aus den Schwellenländern stehen, lässt sich derzeit noch nicht sagen", so Sinn, "dazu sind die derzeit verfügbaren Daten noch nicht aussagekräftig genug."

Und auch bezogen auf die Eurozone hatte der ifo-Chef ermutigende Signale ausgemacht. Die Wachstumsrate liege zwar erst bei 0,7 Prozent, allerdings schrumpfe die Wirtschaft in Europa immerhin nicht mehr. Trotz dieser ermutigenden Signale bezweifle er sehr, dass Europa am Beginn eines neuen Aufschwungs stehe, wie das von "interessierten Kreisen" gerne kolportiert werde. Wenn man sich die tatsächlichen Daten in einigen Ländern anschaue, könne man nur zu dem Schluss kommen: "Von wegen die Krise ist vorbei!"

"Italien ist die reinste Katastrophe"
Die deutsche Wirtschaft sei zwar wieder auf dem Vorkrisenniveau angekommen, aber auch das bedeute zunächst einmal sechs verlorene Jahre. Schlimmer sehe die Situation in Ländern wie Portugal aus, das noch Jahre brauchen werde, um wieder auf die Beine zu kommen. Frankreich sei mittlerweile das große Sorgenkind in Europa, denn obwohl Staatspräsident François Hollande gewisse Reformen angekündigt habe, werde es noch Jahre dauern, bis diese greifen. "Und Italien ist die reinste Katastrophe", formulierte der für seine scharfen Kommentare bekannte Sinn. "Ganz zu schweigen von dem angeblichen Musterland Spanien – alles Propaganda." Da müsse man schon Berufsoptimist sein, um zu sagen, dass es aufwärts gehe.

Von daher gebe es einen fundamentalen Unterschied zwischen der zu beobachtenden Beruhigung an den Finanzmärkten und der realen Situation, wie sie sich in den Wirtschaftsdaten zeige. "Das passt so überhaupt nicht zusammen", so sein Fazit. Angesichts dieses insgesamt düsteren Bilds hinsichtlich der Makrosituation nicht nur in Europa ging anschließend Andrew Weir, Fondsmanager des Fidelity Rentenanlage Klassik, der Frage nach, was das alles für einen sicherheitsorientierten Anleger bedeutet, der bisher vor allem auf Staatsanleihen gesetzt hat.

"Zinsanstieg hat nur geringen Einfluss auf Gesamtertrag von Bonds"
"Den risikolosen Return gibt es nicht mehr", erklärte Weir. Von daher sei es zunächst einmal ratsam, zum einen sehr viel stärker global zu investieren, zum anderen aber auch oder gerade im Anleihebereich sinnvoller, auf Unternehmen (Mikro) statt auf Staaten (Makro) zu setzen. Wichtig sei es in einem solchen Umfeld, eine Anlage zu wählen, die auch die Flexibilität habe, taktisch auf die Lage der Finanz- und Wirtschaftsmärkte zu reagieren. Damit war natürlich der von Weir sehr erfolgreich gemanagte Fidelity Rentenanlage Klassik gemeint, der zusätzlich zu seiner längerfristigen strategischen Asset Allocation über eine taktische Komponente verfüge, mit der der Fondsmanager sehr flexibel auf die Entwicklungen an den Rentenmärkten reagieren könne.

In dieser Niedrigzinswelt müssten sich Anleger entscheiden, ob sie nach Inflation Verluste hinnehmen oder ihr Kapital mit hoher, aber nicht hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit erhalten wollen – zuzüglich der Chance auf einen realen Ertrag. Eine solche Strategie versuche er mit seinem Fonds umzusetzen. "Mein Ansatz kombiniert Stabilität in Form eine nur geringen Volatilität und Erträge oberhalb der Inflationsrate", so Weir. Sein ermutigendes Fazit: "Investoren sollten nicht allzu besorgt sein über einen möglichen Anstieg der Zinsen", so der Fondsmanager. "Ein Anziehen der Renditen an den Rentenmärkten hat historisch gesehen einen relativ betrachtet nur geringen Einfluss auf den Gesamtertrag eines Bondportfolios und ist mit einem auf Stabilität ausgerichteten Ansatz durchaus in den Griff zu bekommen." (hh)