Wie Staatsanwaltschaft und Polizei am Dienstag in Münster mitteilten, habe Rüther zugegeben, sich die Attacke auf ihn nur ausgedacht und sich die Verletzungen mit einem Schraubenzieher selbst beigebracht zu haben. Die seltsam anmutende Erklärung für diese absurde Täuschung sei laut Rüther "die extrem belastende Phase" für seine Familie gewesen.

Der Vorstandschef der Versicherungsgruppe Provinzial NordWest hatte bekanntlich behauptet, letzten Mittwoch vor einer Betriebsversammlung in der Tiefgarage seines Büros überfallen und durch mehrere Schraubenzieher-Stiche verletzt worden zu sein (FONDS professionell ONLINE berichtete). Nach Rüthers Geständnis wurde die Suche nach dem Täter eingestellt. Nun wird gegen den Provinzial-Chef wegen Vortäuschens einer Straftat ermittelt – allerdings dürften diese nach Angaben der Staatsanwaltschaft gegen Zahlung einer "angemessenen Geldbuße" eingestellt werden.

Rüther war in die Kritik geraten, nachdem die Pläne für einen Verkauf der Provinzial NordWest Gruppe an die Allianz bekannt wurden. Nachdem nun jedoch eine Fusion der Versicherungsgruppen Provinzial NordWest und Provinzial Rheinland geplant ist, dürfte dieses Vorhaben nicht mehr aktuell sein. Denn nach Berichten der „Welt“ wollen Politik und Sparkassen die Übernahme des Versicheres mit einem eigenen Fusionsplan vereiteln. Dafür sollen die beieden Sparkassen-Versicherer bis Ende März 2013 Chancen auf einen Zusammenschluss ausloten, wie die nordrhein-westfälische Landesregierung am Montag mitteilte. Damit wollen Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) und die Sparkassen- und Landschaftsverbände Nordrhein-Westfalens verhindern, dass die börsennotierte Allianz in den öffentlichen Versicherungssektor vordringt. „Die Gespräche mit anderen Interessenten werden bis dahin ausgesetzt", hieß es in der Mitteilung.

Zudem hatten bereits in der vergangenen Woche Mitarbeiter auf Betriebsversammlungen gegen die Verkaufspläne protestiert. Der Chef des Verbandes öffentlicher Versicherer (VÖV), Ulrich-Bernd Wolff von der Sahl, warnte laut Medienberichten die Sparkassen vor einem Verkauf ihrer Anteile an der Provinzial Nordwest. Der Verkauf an einen privaten Versicherer bringe den Eigentümern nur kurzfristig Vorteile. „Es würde zwar schnell eine Summe X in die Kassen gespült, im Sinne einer nachhaltigen und regionalen Wertschöpfung halte ich dies aber nicht für sinnvoll", wird der Chef der in Hessen, Thüringen und Baden-Württemberg aktiven SV Versicherung zitiert. Als Miteigentümer könnten sie über Erträge und Provisionseinnahmen doppelt verdienen und über die Versicherungsprodukte mitentscheiden.

Nur ein Eigentümer offen gegen Verkauf
An dem Versicherer sind unter anderem die Sparkassenverbände in Westfalen-Lippe (40 Prozent) und Schleswig-Holstein (18 Prozent) beteiligt. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hält weitere 40 Prozent. Er hatte sich als einziger Eigentümer offen gegen einen Verkauf an die Allianz ausgesprochen. Auch Wolff von der Sahl redete einer Fusion der Provinzial Nordwest mit einem Sparkassen-Versicherer das Wort: „Durch die Konsolidierung innerhalb der Gruppe öffentlicher Versicherer konnten verstärkt Synergien gehoben werden, um langfristig höhere Erträge für unsere regionalen Eigentümer zu erzielen", wird er zitiert. (mb/jb)