Star-Investor David Einhorn findet den aktuellen Börsenhype zutiefst besorgniserregend. Seiner Ansicht nach haben viele Anleger den Boden der Tatsachen verlassen und geben sich inzwischen irrationaler Euphorie hin. Einhorn begründet diese harsche Einschätzung im jüngsten Anlagebrief seiner Investmentgesellschaft Greenlight Capital unter anderem mit der Kursentwicklung eines börsennotierten "Sandwichlokals", eines typisch amerikanischen "Delis"

Wie "Bloomberg" berichtet, weist der Hedgefonds-Manager darauf hin, dass die börsennotierte Firma "Hometown International Inc." trotz ihres global anmutenden Namens gerade einmal eine einzige Niederlassung unterhält, nämlich "Your Hometown Deli" im Bundesstaat New Jersey. Dort bekommen Kunden Edel-Sandwiches und anderes hochpreisiges Fastfood. Hometown erzielte im vergangenen Jahr allerdings gerade einmal 14.000 US-Dollar Umsatz – weniger, als die meisten US-Bürger im Jahr verdienen. Dennoch stieg der Aktienkurs des Unternehmens binnen eines Jahres um mehr als 200 Prozent. Hometown, der Imbiss aus New Jersey, erreichte in der Folge eine Marktkapitalisierung von 113 Millionen US-Dollar.

Droht der Markt zu zerbrechen?
Für den Vorstandchef des Deli-Betreibers dürfte 2020 ein Glücksjahr gewesen sein, trotz Corona. Er ist nämlich der größte Aktionär seiner Firma, außerdem Finanzvorstand und Treasurer in Personalunion und sitzt zudem im Verwaltungsrat. Und er ist neben all diesen Positionen auch noch Wrestling-Trainer an der High School neben seinem Geschäft. Andere Aktionäre sollten dermaßen irre Bewertungen wie bei Hometown indes aufhorchen lassen, warnt Einhorn: "Aus traditioneller Sicht ist der Markt angeschlagen und womöglich dabei, komplett zu zerbrechen."

Der Hedgefonds-Star weist in seinem Newsletter auch auf Lücken in der Finanzmarktregulierung hin. "Meisten ist da kein 'Polizist', der aufpasst", schreibt er. "Es kommt einem vor, als gäbe es keine Behörde für Finanzbetrug. Unternehmen und Unternehmensführungen werden dadurch dreist genug, um Missetaten zu begehen, und sie haben dafür wenig zu befürchten." Ob der Hometown-Chef irgendwo getrickst oder einfach vom allgemeinen Börsen-Wahnsinn profitiert hat, ist nicht bekannt. Als Einhorn unter der Nummer im Jahresbericht von Hometown International eine Stellungnahme erfragen wollte, ging niemand ans Telefon. (fp)