Gewerbliche Finanzanlagenvermittler dürfen weiterhin Honorare verlangen oder Servicegebühren in Rechnung stellen, auch wenn sie "nur" eine Zulassung nach Paragraf 34f Gewerbeordnung (GewO) haben und keine Honorar-Finanzanlagenberater nach Paragraf 34h sind (FONDS professionell ONLINE berichtete). Diese Entscheidung des Bund-Länder-Ausschusses Gewerberecht ist eine gute Nachricht – für Vermittler wie für Anleger.

Teile der Branche und der Politik hätten gerne eine glasklare Trennung zwischen Honorar- und Provisionsberatern gesehen, auch wenn die Gesetzeslage das nicht hergibt. Das neue Honoraranlageberatungsgesetz schreibt 34h-Beratern zwar vor, sich ausschließlich von ihren Kunden bezahlen zu lassen – was auch absolut richtig ist. Doch es verbietet 34f-Vermittlern nicht, ebenfalls Honorare in Rechnung zu stellen. Sie können daher deutlich flexibler agieren als die "waschechten" Honorarberater, also auch Mischmodelle anbieten.

Die Kritiker solcher Modelle schöpften Hoffnung, als Mitte August ein neuer Paragraf in die Finanzanlagenvermittlungsverordnung (FinVermV) eingeführt wurde, der sich mit einigem guten Willen als Trennungsgebot auslegen ließ. Seither herrschte große Unsicherheit unter den Vermittlern, die teils schon seit Jahren mit Servicegebühren und ähnlichen Konzepten arbeiten. Auch wenn der Entscheid des Bund-Länder-Ausschusses nicht rechtsverbindlich ist, dürfte die Erleichterung groß sein. Hätte das Gremium anders entschieden, wären Tausende Vergütungsvereinbarungen anfechtbar gewesen. Das hätte die ohnehin schon verunsicherte Branche völlig aus der Bahn geworfen.

Plädoyer für ein tragfähiges Geschäftsmodell
Doch auch für die Anleger ist das eine gute Nachricht. Denn ein Vermittler, der gezwungen ist, ausschließlich von Provisionen zu leben, muss zurück zum alten Modell: Er verkauft Produkte, statt seine Kunden zu beraten. Das kann nicht im Sinne des Gesetzgebers gewesen sein. Ziel muss es vielmehr sein, Konzepte zu fördern, bei denen der Vermittler keinen Anreiz hat, munter die Kundenportfolios umzuschichten, weil er anders nicht über die Runden kommt. Servicegebühren-Modelle sind daher ein Schritt in die richtige Richtung. Vermittler, die sie erfolgreich etabliert haben, trauen sich eines Tages vielleicht auch, komplett auf die Honorarberatung umzusatteln.

Um eines klar zu stellen: Diese Zeilen sollen nicht als Plädoyer für unsaubere Mischmodelle gelesen werden, die mit Hilfe des positiv besetzen Begriffs "Honorarberatung" verkauft werden. Wo Honorar draufsteht, darf auch nur Honorar drinstecken. Wer sich "Honorarberater" nennt, aber trotzdem Provisionen kassiert, hat nichts anderes verdient, als von Honorarberatern der reinen Lehre vor den Richter gezerrt zu werden. Diese Zeilen sind vielmehr ein Plädoyer für ein tragfähiges Geschäftsmodell, das auf der Beratung der Anleger basiert und nicht auf einem stupiden Produktverkauf. Genau darum ist die Entscheidung des Bund-Länder-Ausschusses so wichtig.