Jeder fünfte Bundesbürger würde für eine gute Versicherungs- oder Finanzberatung ein Honorar bezahlen. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Dienstag veröffentlichte repräsentative Studie, für die die Kölner Agentur Servicerating Anfang Oktober gut 1.000 Personen befragen ließ. 74 Prozent der Befragten können es sich dagegen nur schwer vorstellen, den Versicherungs- oder Anlageberater zu honorieren. Etwas aufgeschlossener sind dabei Jüngere: Von den 18- bis 24-Jährigen würde immerhin rund jeder Dritte (36 Prozent) für ein Beratungsgespräch Geld auf den Tisch legen.

Schwerer als das nach wie vor geringe Interesse an einer Honorarberatung wiegt die unrealistische Höhe des akzeptierten Honorars: Für eine Versicherungsberatung, die inklusive Angebotsberechnung und der Vorbereitung von Unterlagen mit rund vier Stunden veranschlagt wurde, würde knapp die Hälfte der Befragen (47 Prozent) nicht mehr als 50 Euro bezahlen wollen. 18 Prozent würden zwischen 50 und 100 Euro ausgeben, und gerade einmal fünf Prozent wären bereit, zwischen 100 und 200 Euro zu bezahlen. "Nach Schätzung von Branchenexperten müsste eine solche Beratung aber knapp 400 Euro kosten, um den notwendigen Aufwand widerzuspiegeln", schreibt Servicerating in einer Pressemitteilung. Das zeigt, dass Honorarberater noch viel Arbeit vor sich haben, wenn sie breite Schichten der Bevölkerung von ihrer Dienstleistung überzeugen wollen.

"Wahlmöglichkeit ein guter Mittelweg"
Am ehesten würden die Befragten der Studie zufolge für die Versicherungs- oder Finanzberatung bezahlen, wenn sie im Gegenzug beim Abschluss die Beraterprovision einmalig gutgeschrieben bekommen (28 Prozent). Eine qualitativ hochwertige Beratung sowie ein kompetenter Berater stellen für immerhin 18 Prozent der Befragten einen guten Grund für die Honorarberatung dar, so Servicerating. Jeweils 16 Prozent würden für die Beratung bezahlen, wenn diese von Anbietern und Beratern unabhängig ist oder der Berater die Interessen des Kunden verfolgt. Die hohe Unsicherheit zum Thema spiegelt sich aber in 22 Prozent der Antworten für "weiß nicht" wider.

Bei Finanzdienstleistungen habe der klassische Vertriebsweg auf Provisionsbasis weiterhin die Nase vorn, lautet das Fazit des Kölner Beratungshauses. "Um Verbrauchern den optimalen Service zu bieten, kann die Wahlmöglichkeit zwischen einer Honorarberatung oder dem Provisionsmodell ein guter Mittelweg sein", sagte Servicerating-Geschäftsführer Kai Riedel. (bm)


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