Gläubiger des kollabierten Finanzkonzerns um Infinus werden wohl nur ein Fünftel ihres Investments zurückbekommen. Zu diesem Ergebnis kam Bruno Kübler, Insolvenzverwalter der Infinus-Holding Future Business KGaA, am Dienstag auf einer Pressekonferenz seiner Kanzlei in Dresden. "Nach jetzigem Stand gehe ich von einer Quote von 20 Prozent aus", sagte Kübler.

Anleger müssen sich also auf sehr hohe Verluste gefasst machen, auch wenn sie noch vergleichsweise glimpflich davonkommen, schließlich bekommen Gläubiger bei Insolvenzen im langfristigen Durchschnitt Kübler zufolge nur drei Prozent ihrer Forderungen zurück. Bis das Verfahren abgeschlossen sei, könnten aber noch Jahre vergehen, so Kübler. Anleger dürfen also nicht mit schnellen Rückzahlungen rechnen.

Schaden deutlich höher als zunächst vermutet
Kübler gewährte auf der Pressekonferenz erstmals von quasi offizieller Seite Einsicht in die Machenschaften des Dresdener Finanzkonglomerats um Infinus. Die Staatsanwaltschaft hatte die Firmengruppe im November bei einer bundesweiten Razzia ausgehoben. Sie ermittelt gegen zehn Beschuldigte wegen Kapitalanlagebetrug, Betrug und Bilanzfälschung.

Kübler zufolge hatten rund 40.000 Anleger rund eine Milliarde Euro in Orderschuldverschreibungen und andere Papiere der Firmengruppe investiert. Allein Future Business (Fubus), das größte Emissionshaus, hatte bei gut 28.000 Anlegern bis zur Razzia fast 763 Millionen Euro eingesammelt. Bleibt es bei der Quote von 20 Prozent, beläuft sich der Verlust allein der Fubus-Anleger auf über 620 Millionen Euro. Die Summen der anderen Emissionshäuser wie Prosavus, Ecoconsort und Valueconsort kommen noch hinzu.

Das zeigt, dass der Schaden deutlich höher ausfällt, als die Staatsanwaltschaft zunächst vermutet hatte. Ursprünglich waren die Ermittler von rund 25.000 betroffenen Anlegern und einer Schadenssumme von etwa 400 Millionen Euro ausgegangen.

Die für 310 Millionen bilanzierten Policen sind nur 109 Millionen wert
Die für Anleger alles entscheidende Frage ist, was die auf dem Papier so hohen Vermögenswerte in der Fubus-Bilanz tatsächlich wert sind. Der wichtigste Posten sind dabei die Lebensversicherungen, die das Unternehmen auf eigene Rechnung abgeschlossen hat. Die Original-Policen konnten Kübler und sein Team noch nicht sichten – sie lagern zusammen mit weiteren von der Staatsanwaltschaft konfiszierten Unterlagen in einem ehemaligen Festsaal der Polizei auf dem Gelände des Landeskriminalamtes in Dresden. Dort stapeln sich seit der Razzia rund 1300 Umzugskartons und diverse Aktenschränke. Also mussten die Insolvenzverwalter selbst bei den Versicherern nachfragen. "Die Antworten kamen teils nur sehr zögerlich und nach wiederholten Erinnerungen", sagte Kübler. Er hätte sich eine bessere Kooperation gewünscht.

Inzwischen hat Kübler trotz allen Widerständen belastbare Zahlen. Demnach beläuft sich der Rückkaufwert der Policen auf derzeit rund 227 Millionen Euro. Davon abgezogen werden müssen Teilrückkäufe und aufgenommene Policendarlehen über 103 Millionen und weitere abgetretene Rechte im Wert von 15 Millionen Euro. "Unter dem Strich können rund 109 Millionen Euro der freien Masse zugerechnet werden", sagte Kübler.

Zum Vergleich: In der Bilanz 2012 waren die Versicherungen mit 310 Millionen Euro bewertet gewesen, denn dort standen sie nicht zum Marktwert, sondern zu Anschaffungskosten – inklusive der hohen Provisionen, die über den Umweg einer Tochtergesellschaft als Gewinn in der Bilanz landeten.

Immobilien sind knapp 17 Millionen Euro wert
Hinzu kommen Gold und andere Metalle im Zeitwert von 9,5 Millionen Euro. In der Bilanz 2012 sind dagegen Edelmetallbestände für 156 Millionen Euro ausgewiesen. Der Großteil davon entfällt jedoch auf Anschaffungsnebenkosten – dahinter verbergen sich die fragwürdigen Sparplangeschäfte, die FONDS professionell im vergangenen September aufgedeckt hatte.

Die Immobilien ließen sich Kübler zufolge für knapp 17 Millionen Euro veräußern, dazu kommen Guthaben und weitere Ansprüche über insgesamt rund 15 Millionen Euro. "Zusammenfassend ergibt sich nach dem jetzigen Stand eine verfügbare Masse von rund 151 Millionen Euro", so Kübler. Den Abwicklungsaufwand – darunter seine Gebühren – beziffert der Insolvenzverwalter auf rund elf Millionen Euro. Bleiben 140 Millionen Euro, die voraussichtlich unter den Anlegern und den wenigen anderen Gläubigern zu verteilen sind.

Gehen Anleger mit Genussrechten leer aus?
Bleibt es bei einem normalen Insolvenzverfahren, gehen die Anleger mit Genussrechten, Genussscheinen und Nachrangdarlehen leer aus. Denn sie würden erst dann Geld bekommen, wenn die Gläubiger mit Orderschuldverschreibungen ihr Investment von 667 Millionen Euro vollständig zurückerhalten hätten. Handelt es sich allerdings tatsächlich um einen Betrug, werden auch die nachrangigen Gläubiger aus der Insolvenzmasse bedient. Dann würde die Quote für alle Anleger auf rund 18 Prozent sinken. "Bislang wurde allerdings noch kein Strafverfahren eröffnet, darum kann ich die Gläubiger vorerst nicht alle gleich behandeln", sagte Kübler.

Die Anleger mit Orderschuldverschreibungen werden am 13. Mai zu einer ersten Versammlung in eine Messehalle nach Dresden geladen. Da die Papiere in Hunderten Serien begeben wurden, finden juristisch korrekt 4852 Versammlungen zeitgleich statt – eine je Tranche. Das ist nicht die einzige Besonderheit, die Kübler in diesem Fall begegnet ist. Er ist inzwischen 68 Jahre alt und arbeitet seit 35 Jahren als Insolvenzverwalter. Doch ein solch komplexes und schwieriges Verfahren hatte er bislang noch nicht betreut. (bm)