Die Infinus AG Ihr Kompetenz-Partner hat die Zahl ihrer angebundenen Vermittler offensichtlich übertrieben hoch angegeben. Das geht aus der Antwort der Insolvenzverwalterin Bettina Schmudde von der Kanzler White & Case auf eine Anfrage von FONDS professionell ONLINE hervor. Nach außen hin hatte der Maklerpool der Finanzgruppe, die sogenannte "rote Infinus", stets behauptet, rund 2500 Partner angebunden zu haben. Schmudde zufolge wurden inzwischen alle Verträge gekündigt – dabei habe es sich allerdings um weniger als 1000 gehandelt.

"Sämtliche Anbindungen wurden beendet, soweit die entsprechenden Unterlagen bei der Schuldnerin vorhanden waren", so Schmudde. "Es kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass es weitere Vertragsunterlagen gibt, die bei den Hausdurchsuchungen Anfang November 2013 durch die Staatsanwaltschaft beschlagnahmt worden waren." Dass mehr als die Hälfte der Anbindungsverträge noch nicht wieder aufgetaucht ist, darf allerdings als recht unwahrscheinlich gelten – daher liegt die Vermutung nahe, dass der Infinus-Vorstand das eigene Unternehmen größer machte, als es tatsächlich war. Vorstandsmitglied Kewan K. hatte zum Beispiel im September 2013 gegenüber FONDS professionell behauptet, sein Unternehmen habe rund 2500 Partnerfirmen angebunden, die zum Teil mehrerer Berater beschäftigten. Die Zahl der Infinus-Vermittler liege daher noch höher.

Wichtige Rolle im mutmaßlichen Betrugssystem
Das Flunkern mit zu hohen Zahlen würde in das Muster passen, das bei dem Dresdener Finanzkonglomerat auch an anderer Stelle anzutreffen war: Die Konzernmutter Future Business KGaA (Fubus) soll ihre Geschäftszahlen jahrelang mit Hilfe eines Provisionskarussells aufgehübscht haben. Die Staatsanwaltschaft Dresden wirft Managern und Geschäftspartnern der Firmengruppe das Betreiben eines Schneeballsystems vor. Rund 40.000 Anleger hatten gut eine Milliarde Euro in Produkte verschiedener Emissionshäuser gesteckt und müssen sich nun auf hohe Verluste gefasst machen.

Die "rote Infinus" spielte bei dem mutmaßlichen Betrugssystem eine wichtige Rolle: Sie vermittelte dem eigenen Mutterkonzern Fubus Goldsparpläne und Versicherungen und kassierte von den Anbietern dafür millionenschwere Provisionen, die sie wiederum als Gewinn an die Fubus weiterreichte. So strich die Fubus die Provision, die sie als Investition verbuchte hatte, kurz darauf als Gewinn wieder ein. Insolvenzverwalterin Schmudde bestätigte, dass die Geschäfte dem derzeitigen Ermittlungsstand entsprechend tatsächlich so abgelaufen sind.

Holding und Maklerpool
Innerhalb der Firmengruppe diente die "rote Infinus" zudem als Holding mehrerer Tochtergesellschaften, darunter die erst Ende 2012 erworbenen Gesellschaften Hans John Versicherungsmakler und Brenneisen Capital. Beide Unternehmen hat Schmudde vor einigen Monaten wieder an Unternehmensgründer und Management zurückverkauft.

Außerdem agierte die "rote Infinus" als Maklerpool für gewerbliche Versicherungs- und Finanzanlagenvermittler. Sie verkauften unter anderem Genussrechte der Prosavus AG, einem Schwesterunternehmen der Fubus. Beim Vertrieb der wichtigsten Finanzierungsquelle, der Fubus-Orderschuldverschreibungen, spielten diese Vermittler allerdings keine Rolle. Diese Papiere wurden vielmehr über die Infinus AG Finanzdienstleistungsinstitut verkauft, die sogenannte "blaue Infinus". Diesem Haftungsdach hatten sich Mitte 2013 rund 850 vertraglich gebundene Vermittler angeschlossen. Diese Zahl darf als korrekt gelten – schließlich werden diese Berater bei der Finanzaufsicht Bafin gemeldet.

Kurze Zeit selbst als Emissionshaus aktiv
In den Anfangsjahren war die "rote Infinus" kurze Zeit selbst als Emissionshaus aktiv – zwischen Mai 2005 und Juli 2006 wurden Orderschuldverschreibungen emittiert. Das ausstehende Volumen belaufe sich auf knapp 1,1 Millionen Euro, verteilt auf 111 Gläubiger, so Schmudde.

Das operative Geschäft des Maklerpools sei bereits unmittelbar nach den Hausdurchsuchungen im November 2013 faktisch zum Erliegen gekommen war, sagte die White-&-Case-Anwältin. Mit Eröffnung des Insolvenzverfahrens am 31. Januar 2014 wurde es dann vollständig eingestellt. Am 1. Mai beschäftigte die Infinus AG Ihr Kompetenz-Partner neun Mitarbeiter, bei Einleitung des Insolvenzverfahrens waren es noch 34 gewesen. (bm)